Betrug: Maya-Kristallschädel, made in Germany

(c) British Museum

Immer mehr der angeblich aus Mittelamerika stammenden Kultgegenstände erweisen sich als Fälschungen, die im 19. Jahrhundert in Deutschland entstanden sind.

Am 21. Dezember 2012 wird die Erde untergehen, sofern nicht 13 Schädel aus Bergkristall zusammenfinden und ihre Kräfte zur Rettung vereinen. Warum am 21. Dezember 2012? Weil dann nach dem Maya-Kalender ein Weltalter zu Ende geht. Und die Schädel stehen im Verdacht, sie seien von den Maya gefertigt worden. Oder von den Inka oder von Außerirdischen, auch Atlantis ist Kandidat – die Kristallschädel haben viel Fantasie geweckt, seit der erste 1863 auftauchte, in Mexiko, kurz nachdem Truppen von Louis Napoleon das Land erobert und Maximilian von Habsburg als Kaiser inthronisiert hatten.s

„Hofarchäologe“ bei Maximilian

Bald kamen aus der Region weitere Exemplare, zunächst kleine, dann wurde in Lebensgröße geliefert. Viele Exemplare liefen über Eugéne Boben, der bei Maximilian „Hofarchäologe“ war und auch sonst viel von Indiana Jones hatte – dessen bislang letzter Film spielt mit dem Mythos dieser Schädel. Und von Boben stammt auch einer der Schädel der zweiten Generation, das British Museum erwarb ihn 1897 von Tiffanys, dessen Verkäufer freimütig bekannte: „Man weiß wenig über seine Geschichte und nichts über seinen Ursprung.“
Das ist bei allen anderen (bekannten) 51 Kristallschädeln auch so, von einer archäologischen Grabung stammt keiner, sie waren plötzlich da. Und sie weckten auch früh Zweifel, der Schädel in London seit den 30er-Jahren (er sah einem anderen Schädel zu ähnlich). In den 40er-Jahren wurden die Zweifel stärker, das Museum konsultierte einen Geologen, Ernest Brown. Der wusste, dass es solchen Bergkristall in Mexiko nicht gibt, sondern in Brasilien. Dorthin hatten die Maya keine Handelsbeziehungen.

Anfang der 60er-Jahre kam die nächste Runde, nun machte sich das Research Laboratory des British Museum über den Schädel her und analysierte – mit gewöhnlichem Mikroskop – die Spuren der Bearbeitung. Das Stück sei mit „Schleifrädern“ bearbeitet worden, und über solche hätten die Maya nicht verfügt, schlossen die Forscher. Das gute Stück blieb doch im Museum, allerdings ausgeschildert mit Fälschungsverdacht. Der wird nun endgültig bestätigt, diesmal mit Elektronenmikroskopie: Der Schädel wurde im 19. Jahrhundert aus Bergkristall gefertigt, der entweder aus Brasilien, Madagaskar oder den Alpen stammte. Und er wurde vermutlich in Deutschland hergestellt, in Idar Oberstein, einem Zentrum der Kristallverarbeitung. Gefälscht ist auch ein Schädel, der an der Smithsonian Institution in Washington aufbewahrt wird – er wurde im 20. Jahrhundert produziert –, beide Analysen stammen von einer Gruppe um Margaret Sax vom British Museum (Journal of Archeological Science, 9. 7.).

Zur Gruppe gehört Jane Welsh (Smithsoninian Institution), die sich vor kurzem Gedanken darüber machte, warum Fälschungen ausgestellt werden: „Vielleicht, weil diese makaberen Objekte verlässliche Publikumsmagneten sind, so wie Indiana Jones es auch ist“ (Archeology, 5-6/2008).