Edelmöbel in der Postsparkasse

bel etage, Wolfgang Bauer, Wien
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Ausstellung. Sie waren die angesagtesten Wohnungsausstatter der Wiener Moderne: Um 1900 richtete die Firma „Portois & Fix“ Kaiserhäuser und Mäzenatenvillen ein.

Selbst Kunsthändler können ins Schwärmen geraten, wenn man sie nach Möbeln von „Portois & Fix“ befragt. „Wir freuen uns, dass wir so etwas überhaupt handeln dürfen“, seufzt etwa der Wiener Möbelspezialist Patrick Kovacs. Und: „Es ist das Teuerste, was wir in Österreich an Möbeln haben.“ Selten aber sind gute Stücke aus der besten Zeit, um 1900, noch am Markt zu finden, da muss schon in die Schilling-Kategorie zurückgefallen werden: Fünf Millionen, so Kovacs, habe etwa einmal ein Koloman-Moser-Schrank von „Portois & Fix“ gekostet, der sich heute im Leopold Museum befindet. Und zwei Millionen Schilling habe bei einer Auktion das für Kovacs bedeutendste Möbel der Wiener Wohnungsausstatter gebracht: der dreifüßige Eckschrank mit zauberhaftem Namen „Die verwunschenen Prinzessinnen“.

An diesem kostbaren Teil kann schön die Geschichte und Bedeutung von „Portois & Fix“ erkannt werden, die um 1900 mit rund 700 Angestellten zu einer der größten Fabriken Wiens zählten, etwa 1899 (nach Entwürfen von Otto Wagner) den Wartesaal des Kaisers im Hofpavillon in Hietzing ausgestattet hatten oder davor schon Kronprinz Rudolfs Jagdschloss in Mayerling. Doch eine neue Generation Künstler zeigte der Firma und ihren Kunden, dass es einen Weg aus dem ewigen Historisieren hinaus gab – ja sogar eine Wiener Antwort auf die englische „arts and crafts“-Bewegung möglich sei.

Und so fand sich das dreibeinige Prinzessinnen-Schränkchen im Jahr 1900 gemeinsam mit einem Zigarrenkasten und der Anrichte „Der reiche Fischzug“ auf der VIII. Secessionsausstellung wieder, mitten unter Gemälden und Skulpturen. Eine gar nicht so kleine stilistische Revolution, waren bisher doch bildende und angewandte Kunst in Ausstellungen strikt voneinander getrennt gehalten worden. Dieser Mix wurde zu einer Art Schlüsselereignis für die Entwicklung des Wiener Jugendstils in Richtung Secessionsstil. Schließlich stammten die Möbelentwürfe auch nicht von irgendwem, sondern von Kolo Moser, einem der wichtigsten Entwerfer der Wiener Werkstätte, die drei Jahre später, 1903, gegründet werden sollte.

Hundert Jahre von Hoffmann zehren

In dieser kurzen Zeitspanne davor erreichte „Portois & Fix“ seine Hochblüte, neben Otto Wagner entwarfen etwa auch Josef Hoffmann und Adolf Loos für die Firma, die bis Ende des 20. Jahrhunderts noch davon zehren sollte. 1901 schrieb der Ausstatter dann auch noch mit seinem neuen Firmengebäude Geschichte: Das von Wagner-Mitarbeiter Max Fabiani in der Wiener Ungargasse errichtete Haus hatte eine damals revolutionäre Fassade aus uniformen, ohne Ornamentalisierung verlegten Kacheln.

Die Entwürfe für dieses Haus, das in seiner antihierarchischen Gestaltung Wagners Majolika-Haus auf der Wienzeile übertraf, dazu einige der kostbaren Möbel stellt jetzt eine kleine Ausstellung in Wagners Postsparkassensaal vor. Wichtige Leihgeber sind neben dem Hofmobiliendepot die Händler Patrick Kovacs, der bei der Antiquitätenmesse in der Hofburg von „Portois & Fix“ ein Herrenzimmer um 50.000 Euro anbieten wird, und Wolfgang Bauer (Bel Etage). Und vielleicht bringt diese Miniausstellung, dieser Gustohappen eines Möbelgiganten ja auch den schräg vis-à-vis im Museum für angewandte Kunst residierenden Direktor wieder einmal auf den Geschmack einer historischen Großausstellung.

GESCHICHTE: Portois & Fix

Anton Fix (1846–1918) gründete 1881 in Wien mit dem Brüsseler August Portois (1841–1895) die Möbelfirma „Portois & Fix“, die zu dem Wohnungsausstatter der Wiener Moderne wurde. Das Firmengebäude in der Ungargasse war das modernste seiner Zeit.

Ausstellung bis 1.9. zu Kassenöffnungszeiten. Postsparkasse, G.-Coch-Platz 2, 1010.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2008)

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