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Iran: Pingpong-Eskalation am Golf

(c) EPA (Abedin Taherkenareh)
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Der Iran testet nach israelischen Drohungen eine Rakete, die Tel Aviv erreichen kann. Die Krise treibt den Ölpreis erneut nach oben. Im Kriegsfall will der Iran die Straße von Hormuz sperren.

Teheran/ Istanbul. Am Golf erfolgt eine neue Eskalation nach dem Pingpong-Prinzip. Zuerst hatte Israel erklärt, die iranischen Atomanlagen anzugreifen, falls es zu keiner Verhandlungslösung käme. Mit dem Testabschuss von neun Raketen verschärft Teheran die Krise weiter. Eine der Raketen, eine „neue“ Rakete vom Typ Shahab-3 („Meteor“), soll nach iranischen Angaben eine Reichweite von 2000 km haben. Der Test ist wohl als Hinweis darauf zu verstehen, dass der Iran in der Lage ist, Tel Aviv anzugreifen.

Irans Armee droht für den Fall eines Angriffs auch die Sperre der Straße von Hormuz an. Der enge Seeweg vom Persischen Golf zum Indischen Ozean ist die wichtigste Route für die Ölversorgung der Welt – 17 Millionen Fass Öl pro Tag werden durch diese Passage transportiert. Der Ölpreis stieg nach den Tests um zwei Dollar an.

 

 

Nach iranischen Berichten haben die USA mittlerweile ihren Flugzeugträger Abraham Lincoln aus dem Golf abgezogen. Was wie eine erste Deeskalation aussieht, ist eher das Gegenteil, denn im Kriegsfall wäre ein US-Flugzeugträger in der Enge des Golfes vor Irans Küste sehr gefährdet. Dagegen könnte ein Flugzeugträger vom Indischen Ozean aus den Iran noch immer angreifen, während er selbst ziemlich sicher wäre.


Gefährliches Muskelspiel

Derzeit geht es beiden Seiten lediglich darum, die Muskeln zu zeigen. Alle Erklärungen von israelischer Seite über einen Angriff stehen unter dem Vorbehalt, dass der bisherige diplomatische Druck auf den Iran keinen Erfolg zeigt, und sind wohl eher ein Versuch, die Großmächte dazu zu bewegen, ihre Iran-Sanktionen zu verschärfen. Dem Iran geht es darum, nach innen und außen Stärke zu demonstrieren. Mit einem direkten Angriff auf Israel oder einer Blockade der Straße von Hormuz würde Teheran selbst ein sehr großes Risiko eingehen. Denn eine länger anhaltende Sperre wäre letztlich auch für den Iran eine Katastrophe – schließlich muss das Land Öl exportieren, um an Devisen zu gelangen.

Mindestens ebenso große Sorgen wie das Kriegsgeheul bereitet der Umstand, dass die Verhandlungen in der Atomfrage nicht weiterkommen. Selbst der Repräsentant der EU-Außenpolitik, Javier Solana, sonst notorischer Zweckoptimist, beschreibt die Antwort des Iran auf das letzte Kooperationsangebot als „schwierig“. Teheran war darin auf die Forderung, die Anreicherung von Uran zu stoppen, nicht einmal eingegangen. Angereichertes Uran kann zum Bau einer Atombombe verwendet werden.

Trotz der schlechten Aussichten will sich Solana möglichst noch vor Monatsende mit dem iranischen Chefunterhändler Saeed Jalili treffen. Von neuen Ideen, wie der Westen den Iran zum Nachgeben bewegen könnte, ist nichts bekannt. Dafür gibt es eine neue Forderung, nämlich die Forderung Washingtons, auf Raketentests zu verzichten.

Leitartikel von C. UltschSeite 35

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2008)