Die Finanzmarktkrise hat die US-Bank Wachovia im zweiten Quartal mit voller Wucht getroffen. Das viertgrößte Geldhaus der USA rechnet wegen Milliardenabschreibungen und einer höheren Risikovorsorge für faule Kredite mit einem Verlust von bis zu 2,8 Mrd. Dollar - deutlich mehr als erwartet. An Europas Börsen brachte das die Angst vor einer neuen Schockwelle in Folge der Finanzkrise zurück.
Sämtliche Bankaktien verloren teils stark an Wert, in Deutschland stand besonders die Deutsche Bank unter Druck. Wie Wachovia mitteilte, fand die wochenlange Suche nach einem neuen Bankchef ein Ende: Der 56-jährige Robert Steel übernimmt den Posten des früheren Vorstandschefs Ken Thompson, der Anfang Juni nach einer Reihe von Fehlentscheidungen und Abschreibungen in Folge der Finanzkrise gehen musste. Steel gilt als ausgewiesener Fachmann: Er war zuletzt im US-Finanzministerium tätig und hatte bei der Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet.
Die Belastungen im zweiten Quartal führte Wachovia vor allem auf Wertberichtigungen von 1,3 Mrd. Dollar zurück. Hinzu kämen eine auf 4,2 Mrd. Dollar gestiegene Risikovorsorge sowie Abschreibungen auf den Firmenwert der auf Baufinanzierungen spezialisierten Tochter Golden West, die Wachovia 2006 für gut 24 Mrd. Dollar übernommen hatte. Schon im ersten Quartal hatte Wachovia einen Verlust verbucht, damals noch in dreistelliger Millionenhöhe.
Die Finanzkrise verhagelte vielen US-Banken im zweiten Quartal erneut die Bilanzen. Die zweitgrößte Investmentbank des Landes, Morgan Stanley, konnte nur durch den Verkauf von Vermögenswerten einen Verlust verhindern. Konkurrent Lehman Brothers wies ein Milliarden-Minus aus. Branchenprimus Goldman Sachs verdiente dagegen nur geringfügig weniger und übertrumpfte damit sämtliche Erwartungen.
(APA)