Carinthischer Sommer: Heilige und Hure

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Heute abend startet das Festival mit der Kirchenopern-Uraufführung „Maria von Ägypten“.

Mit einer Uraufführung hebt heute, Freitag, der Carinthische Sommer an. John Taverner, Composer in Residence des heurigen Festivals, hat eine ältere musikdramatische Arbeit über das Leben der „Maria von Ägypten“ neu bearbeitet. Diese Version wird heute in der Stiftskirche Ossiach unter der musikalischen Leitung von Johannes Wildner erstmals vorgestellt. Die Inszenierung besorgten Herbert Kapplmüller und Lisa Stumpfögger.

Die Musik Taverners beschreibt Wildner als „psychedelische Klangbilder“ trefflich: Tatsächlich kommt der Komponist mit einigen wenigen, von orientalischen Melodieskalen ausgehenden Elementen aus, die er glockenartig wiederholt und durch sanft variierende Reihung zu meditativen, hie und da aber intensiv anschwellenden akustischen Raumwirkungen verdichtet.

Innerhalb dieser entfaltet sich das Drama der Maria aegyptiaca, die Musikfreunde zumindest aus Mahlers Achter kennen, wo sie im Schlussbild des „Faust“ erscheint – von Goethe um des Versmaß willen um sieben Jahre verjüngt: 47 Jahre hat die historische Büßerin in der Wüste zugebracht, um ihre Seele vom Makel des Prostituiertenlebens reinzuwaschen. Die Begegnung mit dem Mönch Zossima führt in der Oper in starken Bildern zur psychologischen Läuterung beider Gestalten, denn auch Zossima erkennt die Selbstgefälligkeit und Eitelkeit, die seinem priesterlichen Wirken innewohnt. Das Werk schließt – nach einem ekstatischen „Segensduett“ – mit der Grablegung der toten Maria: „Viel mehr als nur ein Weg führt zum Heil“, singt der Chor.

Von John Taverner erklingen im Rahmen des „Carinthischen Sommers“ auch in den Konzerten Kompositionen aus verschiedenen Genres. Unter anderem musizieren die Bamberger Symphoniker unter Robin Ticciati die Uraufführung des Auftragswerks „Ceremonial“ (im selben Konzert, 17.Juli, spielt Rudolf Buchbinder Beethoven), tags darauf singt der brillante Countertenor Terry Wey nebst Barockem Taverners Zyklus für Singstimme und Gambenconsort, „Nipson“.

Nach der Aufführung von Taverners „Maria von Ägypten“ kehrt heuer auch Thomas Daniel Schlees Kirchenoper „Ich, Hiob“ zurück in die Ossiacher Stiftskirche (26.Juli).

DAS PROGRAMM

Eröffnung: heute mit BP Heinz Fischer.

Kirchenopern: „Maria von Ägypten“ von John Taverner: 11., 12., 30. & 31.7., 13., 14., 28. & 29.8.; „Ich, Hiob“ von Thomas Daniel Schlee: 26.7., 8. & 22.8.

Kinderoper „Biene Maja“: 20. & 21.7.

Konzerte: Rudolf Buchbinder und die Bamberger Symphoniker (17.7.), András Schiff (17.8.), P. Maxwell Davies (23.7.).

www.carinthischersommer.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2008)

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