China: Tibet-Unruhen vergessen – Run auf Olympia

Verteidigungsminister Darabos vertritt Österreich bei Eröffnungszeremonie.

WIEN (c.u.). Es war wohl eine der letzten großkoalitionären Entscheidungen, die der scheidende Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Vizekanzler Wilhelm Molterer gemeinsam getroffen haben: Die Rolle, Österreich bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking zu vertreten, fällt Verteidigungsminister Norbert Darabos zu, dem Schirmherrn der Heeressportler also. Sport-Staatssekretär Lopatka hält sich die Option noch offen.

Nach der blutigen Niederschlagung der März-Unruhen in Tibet war lange über einen Boykott debattiert worden. Diese Woche jedoch gab auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bekannt, dass er an der Zeremonie am 8.August in Peking teilnimmt. Es war keineswegs ein Alleingang. Denn davor hatte der EU-Ratsvorsitzende die Zustimmung der anderen 26 EU-Mitglieder einholen lassen. Die Grünen-Abgeordnete Ulrike Lunacek will deshalb am Montag eine parlamentarische Anfrage an Außenministerin Ursula Plassnik Plassnik einbringen. Es sei beschämend, dass Sarkozy als Repräsentant der EU zur Olympia-Eröffnung reise. Und es sei feige, dass Österreich nicht Einspruch erhoben habe, sagte Lunacek.

Außenministerin Plassnik hatte freilich nie geplant, zur Olympia-Eröffnung zu kommen, ebensowenig wie Bundespräsident Fischer oder Bundeskanzler Gusenbauer. In Peking einstellen wird sich übrigens auch US-Präsident Bush.

Indessen haben Chinas Behörden weitere zwölf Tibeter zu Haftstrafen verurteilt, weil sie an den März-Protesten beteiligt waren. 116 Beschuldigte warten noch auf ihr Urteil, einigen von ihnen droht möglicherweise die Todesstrafe, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.
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