Im ersten Halbjahr kauften die Österreicher vermehrt starke Autos - Vorziehkäufe, da per 1. Juli die Normverbrauchsabgabe (NoVA) stärker auf den CO2-Ausstoß abzielt.
Wien. Das erste Halbjahr war für den heimischen Autohandel äußerst erfreulich. Die Zahl der verkauften Autos liegt mit 168.668 Stück um 2,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Auffällig hohe Zuwächse gab es dabei bei den starken Autos mit mehr als 120 PS. In dieser Kategorie legten die Verkäufe um fast acht Prozent zu, im Monat Juni gab es sogar ein Plus von annähernd 36 Prozent. Dies dürfte aber dennoch nicht bedeuten, dass die Österreicher trotz Rekordpreisen an den Tankstellen plötzlich zu PS-Junkies geworden sind und vermehrt zu starken – und somit meist auch spritschluckenden – Fahrzeugen greifen. Vielmehr handelt es sich bei den Zuwächsen großteils um Vorziehkäufe, da per 1. Juli die Normverbrauchsabgabe (NoVA) stärker auf den CO2-Ausstoß abzielt.
„Es gab deutliche Vorzieheffekte“, meint dazu Gustav Oberwallner, Obmann des Fachverbandes der Autohändler. Seit 1. Juli gibt es für Autos, die über 180 Gramm CO2je Kilometer ausstoßen (entspricht etwa einem Verbrauch von 7,5 Liter Benzin oder 6,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer) einen Malus. Dieser Malus entspricht inklusive Mehrwertsteuer 30 Euro pro zusätzlichem Gramm CO2. Im Gegenzug erhalten Fahrzeuge, die weniger als 120 Gramm emittieren (fünf Liter Benzin, 4,5 Liter Diesel) einen Bonus von 300 Euro – egal wie weit sie die 120 Gramm-Grenze unterschreiten.
Benziner sind seit 1. Juli billiger
Oberwallner hofft nun, dass es aufgrund der Vorziehkäufe nicht in der zweiten Jahreshälfte zu einem Einbruch kommt. „Bei den kleinen Fahrzeugen sollte jetzt ein Verkaufsschub durch den Bonus einsetzen.“ Im Jahr 2007 unterschritten zwar nur fünf Prozent der verkauften Autos die Schwelle von 120 Gramm, ab der der CO2-Bonus schlagend wird. Allerdings gibt es zusätzlich noch einen Bonus in Höhe von 200 Euro für das Erfüllen gewisser Stickoxidnormen (Euro 5 oder 6). „Und diese Normen erfüllt jeder in Österreich verkaufte Benziner“, sagt Oberwallner. Daher sind Benzinautos seit 1. Juli billiger geworden.
Doch auch schon in der ersten Jahreshälfte lagen Fahrzeuge mit Benzinmotoren wieder stärker im Trend. Insgesamt wird mit 57,6 Prozent zwar immer noch die Mehrheit der Neuwagen mit Diesel angetrieben. Die Zahl der verkauften Diesel nahm zwischen Jänner und Juli aber um 1,5 Prozent ab, jene der Benziner legte um 8,2 Prozent zu. Noch vor vier Jahren lag der Dieselanteil an den Gesamtverkäufen über 70 Prozent. „Die Dieselnachfrage wurde in den vergangenen Jahren durch die Besteuerung ja künstlich nach oben geschraubt. Wirklich sinnvoll sind Dieselfahrzeuge ja nur für Vielfahrer“, sagt Oberwallner.
Ob der ebenfalls per 1. Juli eingeführte 500-Euro-Bonus für Hybridfahrzeuge zu einem Anschub führt, wird sich noch zeigen. Im ersten Halbjahr lag die Zahl der Autos, die mit dieser sparsamen Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor ausgerüstet sind, noch bei überschaubaren 428 Stück.
Für das Gesamtjahr ist die Branche optimistisch, die Zahl von 300.000 neu zugelassenen Fahrzeugen wieder zu überschreiten. Allerdings besteht die Zahl der Neuzulassungen zu rund 15 Prozent aus sogenannten „Tageszulassungen“ der Händler. Dabei werden Autos kurz angemeldet, um entweder gewisse Zulassungsziele zu erreichen oder um die Fahrzeuge günstiger als Gebrauchtwagen verkaufen zu können.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2008)