Professorin für Umweltgeschichte an der Universität Klagenfurt
Parallel zu allem anderen lese ich immer in Gedichtbänden. Derzeit vorwiegend im Geschenk eines lieben Freundes, der in roten Satin gehüllten Anthologie Das surrealistische Gedicht. Das dickleibige Buch, aus einer Ausstellung in Bochum hervorgegangen und von Heribert Becker, Edouard Jaguer und Petr Král herausgegeben, ist bei Zweitausendeins erschienen.
Die Gedichte überschreiten die uns aufgezwungenen Erfahrungsgrenzen und fordern dazu auf, „das Weite zu suchen“. sOhne solche Radikalität, davon bin ich überzeugt, gibt es auch keine Lösung heutiger Umweltprobleme. Wir brauchen eine positive Vision eines neuen Verhältnisses zur Natur. Angst macht nicht handlungsfähig, daher schätze ich auch das Genre der Ökokatastrophenromane wenig.
Barbara Kingsolver hat mit Im Land der Schmetterlinge (Kabel Verlag, München) einen ökofeministischen Roman vorgelegt, der dadurch besticht, dass er den Tod als Teil des Lebens und der Natur akzeptiert; gute Sommerlektüre, welche die im Planerjargon „Nutzungskonflikte“ genannten Dilemmata ländlicher Entwicklung am Beispiel North Carolinas greifbar macht.
Auf dem Nachttisch liegt Hans-Rudolf Borks kluger Bildband Landschaften der Erde unter dem Einfluss des Menschen (Primus Verlag, Darmstadt). Der weit gereiste Geograf macht mit einem Team von Expertinnen und Experten die Landschaftssystemanalyse verständlich. Er scheut sich auch nicht vor politisch Heiklem wie den ökologischen Problemen Chinas oder Sibiriens. Die beste Möglichkeit, die ich kenne, um in mein eigenes Fachgebiet, die Umweltgeschichte, einzusteigen.