BMW 7er: Evolution der Luxuslimousine

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Geläutert von kritischer Begleitmusik der letzten 7er-Baureihe verpasst BMW seinem neuen Flaggschiff Augenmaß statt Extravaganz.

Um die Reichen dieser Welt braucht man sich keine Sorgen zu machen, sie werden immer mehr, vor allem die Superreichen. Die Wachstumsmärkte China, Russland und Indien sind für Anbieter von Luxusgütern aller Art eine sichere Bank, und das wird wohl auch noch eine Zeitlang so bleiben. Dennoch treibt Unternehmen wie BMW, Audi und Mercedes Sorge um. Auf den Kernmärkten im alten Europa sind die Aussichten eingetrübt, zu den natürlichen Wachstumsgrenzen in einem gesättigten Markt kommt hinzu, was man im PR-Sprech „wachsende Akzeptanzprobleme“ nennen würde: Immer öfter geraten die automobilen Prachtbauten der Prestigehersteller in die öffentliche Kritik, und sei es nur als büßende Stellvertreter für wesentlich komplexere Zusammenhänge in der Klima- und Umweltdiskussion. Die Tage der opulenten Sorglosigkeit auf vier Rädern sind jedenfalls gezählt. An Kritik gewöhnt

Speziell BMW ist einiges an Kritik gewöhnt, wenn auch von anderer Seite. Die auslaufende Modellgeneration der Oberklasselimousine 7er, 2001 auf den Markt gekommen, war ein mutiger, ja gewagter Schritt in Design und Technik gewesen. Beißende Häme der Fachpresse war der Lohn, aber auch Kunden hatten ihre Not mit der gewöhnungsbedürftigen Heckpartie und den Sudoku-artigen Herausforderungen des Bediensystems iDrive. Gescholten wurde Chefdesigner Chris Bangle, aber auch das Unternehmen selbst, dem man Ingenieursstursinn und Technikverliebtheit vorwarf. Dass dieser 7er zum bislang erfolgreichsten aus vier Generationen geriet, ist wenig aussagekräftig – BMW eilt seit fast zehn Jahren von einem Absatzrekord zum nächsten (wofür nicht zuletzt eben jener Chris Bangle verantwortlich zeichnet). Wie Balsam musste der Zuspruch in den USA, vor allem aber auf dem asiatischen Markt anmuten: Das bei uns heftig diskutierte Auto traf Geschmack und Bedürfnisse des heute vielleicht wichtigsten Absatzmarktes der Welt. Und dies ist auch schon die größte Anforderung an den Nachfolger, der dieser Tage der Öffentlichkeit vorgestellt wird: das Aussöhnen der Ansprüche einer globalen Klientel, wie sie zwiespältiger nicht sein könnten. In China fährt kein Mensch seinen 7er selber, man hat einen Chauffeur und will es im Fond möglichst kuschelig und bequem haben. In Europa punktet die Baureihe mit ihrer sportlichen Straßenlage und einem verbrauchsgünstigen Sechszylinder-Dieselmotor. Damit würde man wiederum in Shanghai vom Clubparkplatz verjagt, etwas anderes als Zwölfzylinder sind in der Luxusklasse undenkbar. Während Fahrtests noch ausstehen, lassen sich die wichtigsten Neuheiten und Eindrücke vom Steuer des neuen 7ers zusammenfassen. Design

Zu polarisieren vermag das neue Design (in Letztverantwortung beim ehemals umstrittenen Chris Bangle) kaum, das Auto wirkt aus allen Perspektiven stimmig, alles Opulente ist einer subtilen Sportlichkeit gewichen – der 7er wirkt wie aus 3er und 5er emporgewachsen. Am konkav-konvexen Spiel der Karosserieoberflächen lassen sich die Möglichkeiten aktuellster Presstechniken studieren. So verschleiert die stark konturierte Motorhaube geschickt ihre gewaltigen Abmessungen. Fast spektakulär der kurze vordere Überhang: Er schafft nicht nur einen besonders langen Radstand, sondern auch Platz für den kommenden Allradantrieb. Kein Aufreger am Heck: Das „L“ der Heckleuchten erinnert an frühere 7er-Modellgenerationen. Motoren

Als Speerspitze gegen Umweltkritik fährt BMW mit dem 730d vor. Der Reihensechszylinder-Dieselmotor soll bei 245 PS Leistung und 540 Nm Drehmoment im EU-Zyklus einen Schnittverbrauch von 7,2 Liter/100 km realisieren. Dieser Wert ist in der Oberklasse derzeit konkurrenzlos. Überraschung beim 740i, unter dessen Motorhaube statt V8 nun ein sparsamerer Biturbo-Sechszylinder mit drei Liter Hubraum Dienst versieht (326 PS). Ebenfalls aufgeladen ist der V8 des 750i (407 PS). Ein Zwölfzylinder wird nachgereicht. Siebengangautomatik ist Standard. Zeitgemäßen Verbrauchswerten dient auch Gewichtseinsparung, so der Karosserie-Materialmix mit Kotflügel, Türen und Dach aus Aluminium. Bedienung

iDrive lebt, wurde aber stark überarbeitet. Dem zentralen Drehregler des Bord-Bediensystems wurden Tasten für Direktwahlen beigestellt, auch lässt sich der Regler in alle Richtungen neigen, um auf Internetoberflächen wie per Maus navigieren zu können. Die grafische Oberfläche setzt neue Maßstäbe: Das Display ist hochauflösend, ein schneller Prozessor ermöglicht Zoom- und Pop-up-Effekte wie auf einem Hochleistungs-Mac. Hightech-Features

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2008)

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