Nicholas Ofczarek und Nicolaus Hagg begeistern mit der flotten Revue „Parkbank-Philosophen“.
Was benötigt man für gutes Kabarett? Das ist simpel: Eine Bank, einen Doppler Wein, ein Einkaufswagerl, den Vollmond und zwei Sandler – aber nicht irgendwelche, sondern räsonierende, die entfernt an Fritz Grünbaum und Karl Farkas oder an Karl Farkas und Ernst Waldbrunn erinnern. Das ist dann aber tatsächlich schwer. Doch mit Nicolaus Hagg und Nicholas Ofczarek haben die Festspiele Reichenau ein kongeniales Paar gefunden, das die große Tradition stilvoll und geschmackssicher fortführt.
Das Duo hat sich nicht damit begnügt, in nostalgischer Ehrfurcht vor den Alten zu erstarren, sondern es hat die Doppelconférence voller Spiellust belebt. Die einfachsten Gags sind dabei oft die erfolgreichsten, etwa, wenn Ofczarek in Zeitlupe das Wunder von Cordoba nachspielt, schussgewaltig wie Krankl 1978 einen imaginären Ball an Hagg als deutschem Torwart vorbei ins imaginäre Netz drischt und dann, auch noch in Zeitlupe, einen Bauchfleck über die ganze Bühne zwischen den vier Zuschauerblöcken hinlegt. Da tobt das Haus wie Edi Finger senior bei der für Österreich recht erfolgreichen Weltmeisterschaft in Argentinien.
Ofczarek hat ein Gesicht, das keinen hintergründigen Shakespeare-Text braucht, um zu entzücken. Das Komische stellt sich schon allein dann ein, wenn er die Unterlippe schürzt, während der vife, nervöse Hagg altbewährte Schüttelreime drischt. Ofczarek ist also der Idealtyp für den bladen Blöden, den einst Waldbrunn gab, doch er kann dieser Rolle auch gemeinsten Hintersinn geben. Dann wirkt er richtig bös. Eine Hinrichtung wird es, wenn er sich als Theatermacher offenbart, der Schillers „Räuber“ mit nur zwei Personen spielen will. „Reduktion“ und „Sachlichkeit“ sind seine heimtückischen Vokabeln. In diese Nummer, die das Burg- und auch das Regietheater auf köstliche Art zerlegt, wird auch das Publikum eingebaut. Das freut sich ungemein.
„Ich bin ein Roter!“
Die Lieder und so mancher Gag haben schon etwas Patina, wie etwa die Szenen in der Prärie und die platten Witze um das Genie Einstein und den Wiener Kleinunternehmer Weinstein, aber das macht überhaupt nichts, weil sie eben gut gespielt sind. Der Zerfall der Großen Koalition, die Euro08 und der Bawag-Skandal werden mit Wortwitz als aktuelle Programmpunkte in die große Nostalgieparade aufgenommen, sie beleben dieses Kabarett. „Ich bin ein Roter“, gesteht Hagg. „Das ist Selbstmord!“, warnt Ofczarek. So vergehen mühelos 100 Minuten, mit Gescheitheiten über den Irrsinn der Wirtschaft und das Kindische an Entscheidungsträgern, mit Wiener Hinterfotzigkeit wie in der guten alten Zeit.
Kabarett in Reichenau
■Nicolaus Hagg (links neben Nicholas Ofczarek) hat die Revue „Parkbank-Philosophen“ geschrieben, nach Texten von Farkas und Grünbaum sowie Liedern von Emersberger und Hojsa. Bis 3.August bei den Festspielen Reichenau. [APA/Pessenlehner]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2008)