US-Wahlkampf: Für wen Hollywoods Sterne glänzen

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Harte Burschen für McCain, schöne Frauen für Obama: Stars sind für die Kandidaten oft mehr Fluch als Segen.

Washington/Wien. Barack Obama traut man zu, Geschichte zu schreiben. In die Annalen Hollywoods ist er freilich schon eingegangen: Als der erste Mann, der Traumfabrik-Traumfrau Scarlett Johansson einen Korb gab.

Sie hatte sich tüchtig an ihn ran gemacht. In einem Video der Hip-Hop-Band „Black Eyed Peas“ trällerte sie zu Obama-Reden. Dann verkündete sie stolz, sie sei mit dem Senator „im Dialog“. Für ein Regierungsamt, munkelte man schon. Dann zog Obama die Notbremse: Der „Dialog“ beschränke sich auf einen E-Mail-Kontakt, in dem er Scarlett mit dürren Worten dankte.

Der Mann kann es sich leisten, sich zu zieren. Seit Hillary Clinton aus dem Rennen um die demokratische Kandidatur ist, fliegen ihm die Herzen der Promis zu. Nicht nur Tom Hanks wechselte ins vormals feindliche Lager. Fast alle wollen auf der Erfolgswelle des Hoffnungsträgers mitschwimmen.

Winfrey, Obamas stärkste Waffe

Das war nicht immer so. Lange fanden die Filmstars Obama nicht sonderlich attraktiv. Zu verklärt war ihre Erinnerung an Bill Clinton, den ersten „Rockstar-Präsidenten“, zu stark der Glanz, der auf seine Hillary abfiel. Sie kassierte das Lob und die Spenden.

Das änderte sich erst, als Obama die „First Lady des Fernsehens“ auf die Bühne hob. Seit 1985 moderiert Oprah Winfrey die erfolgreichste US-Talkshow, mit 46 Mio. Zuschauern pro Woche. Auf ihr Publikum zielte Obama ab: weiblich, älter, mit geringem Einkommen – kurz: klassische Clinton-Wähler. Viele datieren den Anfang von Hillarys Ende mit dem 10. Dezember, als Winfrey verkündete: „Er ist es!“ Nun ging es los. George Clooney erklärte in einem Charisma-Contest mit dem Kandidaten, wie sie Darfur retten wollten. Robert de Niro lud zu Wahl-Parties nach New Jersey. Sharon Stone, Ben Affleck und Matt Damon schlossen sich an.

Und John McCain? Der konnte einem lange richtig leid tun. Bis März war sein einziger Unterstützer aus Hollywood der dicke, alte Wilfred Brimley. Der hatte sich bisher für Legalisierung von Hahnenkämpfen eingesetzt. Jüngere kennen ihn nur mehr aus einer TV-Werbung für ein Blutzucker-Kontrollgerät.

Groß war daher die Erleichterung, als mit Sylvester Stallone ein echter Kämpfer zum Veteranen McCain in den Ring stieg. Da ließen sich auch Clint Eastwood, Dennis Hopper und Tom Selleck überreden. Freilich: lauter harte und nicht mehr junge Burschen, und keine einzige Frau. Immerhin kann die schöne Angelina Jolie es sich zumindest „vorstellen“, für McCain zu stimmen.

Dabei gibt es, dem Mythos zum Trotz, in Hollywood mehr Republikaner als Demokraten, wenn auch meist aus der zweiten Reihe – wie B-Movie-Star Ronald Reagan. Doch nach zwei unpopulären Bush-Administrationen haben wenige rechte Promis Lust, sich zu deklarieren. Vorbei die Zeiten, als Waffennarr Charlton Heston so viele Wechselwähler in Schlüsselstaaten für Bush begeisterte, dass er ihm so wohl zum Sieg verhalf. Kurioserweise brachten im selben Wahlkampf 2000 republikanische Strategen die ganze Showbiz-Branche in Misskredit: Schauspieler seien doch nur weltferne, weil weltverbesserische Intellektuelle, die keine Ahnung haben vom Leben des einfachen, ehrlichen Amerikaners.

Star-Einfluss wird überschätzt

Dieses Kalkül ging bald auf: 2004 stand eine Phalanx von Filmgrößen hinter John Kerry – und er verlor die Wahl. Auch heute deutet viel daraufhin, dass Empfehlungen von Stars überschätzt werden. Zwar hielten in einer Umfrage des Pew Research Center 60 Prozent Winfreys Unterstützung für Obama für wichtig. Aber nur 15 Prozent gaben an, deshalb für Obama zu stimmen. Gleich viele wollten ihn gerade deshalb nicht wählen.

Übrigens: George Clooney schaffte es nicht einmal, seinen eigenen Vater in den Kongress zu bringen. Entsprechend demütig gelobt er Obama heute: „Ich werde sie in jeder Weise unterstützen. Auch indem ich zu Hause bleibe und den Mund halte.“

ZEITPLAN US-WAHL

Am 4. November wird der neue US-Präsident gewählt, am 20. Jänner 2009 wird er vereidigt.

Am 1. September beginnt der Konvent der Republikaner in St. Paul (Minnesota).

Am 25. August beginnt der Nominierungs-Parteitag der Demokraten in Denver (Colorado).

Am 3. Juni fanden die letzten Vorwahlen der Demokraten statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2008)

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