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Titelkauf: Mit 15.000 Euro zum Master

(c) AP (Joerg Sarbach)
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In der Schweiz braucht man keine Matura, aber dafür nur sechs Monate zum Master. Der Geldbeutel sollte prall gefüllt sein, der Rest wird von anderen erledigt. Auch Österreicher investieren in die Titelmühlen.

 

In den meisten westeuropäischen Staaten machen sich Institutionen, die nicht staatlich anerkannt sind und trotzdem akademische Grade vergeben, strafbar. Deshalb sind sie häufig im Ausland anzutreffen, in den USA, auf exotischen Inseln, in Osteuropa.

Aber auch in der Schweiz blüht der Handel mit falschen Titeln. Zwei Hochschulen, nämlich die Freie Universität Zug und die Freie Universität Cham, benötigen keine Hörsäle, keine Studierenden und keine Professoren. Sie besitzen weder eine Anschrift noch einen Telefonanschluss. Aber hier werden viele akademische Titel verliehen: Master, Doktor, Ehrendoktor und Professor kann man sich ab einem Preis von 20.000 Euro kaufen. An der Universität Teufen ist es sogar möglich, zum Ehrensenator zu werden.

 

Österreicher als Zielklientel

Teufen ist eine freie Universität und staatlich nicht anerkannt. Laut Homepage der Universität kann man ohne Matura oder Studienberechtigungsprüfung studieren, etwa wenn „eine weiterführende Berufsausbildung, wissenschaftliche Veröffentlichungen sowie Fremdsprachen“ von den Studierenden nachgewiesen wird. Auf ihrer Homepage (http://www.universitaet.ch/) wirbt sie damit, dass in den letzten 20 Jahren über 1500 Kandidaten aus Deutschland und Österreich einen Titel auf der Hochschule erworben haben. Deutschsprachige Studenten sind besonders gern gesehen, insgesamt sind etwa 62 Prozent der Studenten aus Deutschland und zirka 26 Prozent aus Österreich.

Die durchschnittliche Studiendauer für ein Diplomstudium beträgt sechs bis acht Monate. Studiert wird aber nur nebenbei und zumeist als Fernstudium, die Studenten können ihren Beruf weiterhin ausüben.

An der Pseudo-Hochschule kostet der Abschluss etwa 15.000 Euro. Um den wissenschaftlichen Schein zu wahren, wird meist eine gewisse Leistung der Studierenden verlangt, wie etwa eine Abschlussarbeit. Der minimale Arbeitsaufwand dient auch dazu, um das Gewissen der zukünftigen Titelträger zu beruhigen.

In Österreich ist es nicht legal, Titel zu führen, die auf dieser Hochschule erworben wurden.

 

Titelmühlen in Osteuropa

Es ist nicht einfach herauszufinden, wie groß der Markt für den Titel-Schwindel tatsächlich ist. Betrachtet man die Zahl der geschalteten Annoncen, ist das Geschäft mit den gefälschten Titeln ein lukratives. Die Schweiz bekommt aber zunehmend Konkurrenz von Universitäten aus dem Osten, denn dort kann man mit wenig Aufwand seinen Doktor machen und den Titel EU-weit führen.

 

Ehefrauen enttarnen Titelschwindler

Wer der Versuchung der Titelmühlen erliegt und erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnis rechnen. Eine große Abschreckung ist diese Strafe nicht, denn die Chance, beim Titelschwindel entdeckt zu werden, ist äußerst gering. Nur wenn ein direkter Verdacht gegenüber einer Person vorliegt, kann der Schwindel rasch aufgeklärt werden.

Wenn falsche Titelträger enttarnt werden, dann meist von Bekannten oder Arbeitskollegen. Ihnen fällt auf, dass eine Person nicht lange mit einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt war. Ehefrauen enttarnen ihre Männer oft als Racheakt im Zuge von Scheidungen.

 

Dubiose Promotionsberater

Im selben Teich wie die Titelmühlen fischen manche Promotionsberater. In welcher Art und Weise den Promovierenden geholfen wird, ist sehr undurchsichtig. Von harmlosen Hilfestellung bis zur kompletten Fertigstellung der Arbeit inklusive Bestechung des Prüfers reichen die Dienstleistungen. Von Promotionsberatern werden auch Doktorväter vermittelt. Ein inzwischen verurteilter Juraprofessor aus Hannover kassierte 4100 Euro für jeden Kandidaten, der die Prüfung bestand.

Auf der Seite http://www.doktortitelkauf.de findet man ganz offen diverse Angebote zur Unterstützung bei wissenschaftlichen Arbeiten.

Allerdings sind Doktortitel Bestandteile von Namen und können deshalb auch beim Einwohnermeldeamt in den Personalausweis eingetragen werden. Dort wird die Authentizität des Titels überprüft und ein gekaufter Titel oft aufgedeckt. Seiten wie www.doktortitelkauf.de weisen deshalb darauf hin, dass der erkaufte Titel normalerweise nicht in den Ausweis eingetragen wird.


(Red.)