Die Arktis birgt weniger Erdöl als bisher vermutet

(c) AP (Jonathan Hayward)
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Das meiste noch unentdeckte arktische Erdöl liegt laut der US-Geologiebehörde in der Nähe der Küsten.

Ottawa. In der Arktis liegen vermutlich 90 Mrd. Barrel Erdöl und annähernd 50 Billionen Kubikmeter Erdgas, die noch nicht entdeckt sind und nach dem heutigen Stand der Technik gefördert werden könnten. Das geht aus einer Studie der US-Geologiebehörde (USGS) über die Energievorräte im arktischen Raum vor. Die Vorräte liegen dabei überwiegend im Eismeer in Küstennähe. Die Daten sind somit ein Dämpfer für diejenigen, die das gesamte Nordpolarmeer als großes, lukratives Ölförderfeld sehen: Im tiefen Ozeanbecken scheint wenig Potenzial für Öl- und Gasförderung zu liegen.

Vorräte in 200-Meilen-Zone

Von großem Interesse ist die Arktis dennoch, weil hier das Kontinentalschelf weiter ins Meer reicht als im Atlantik oder Pazifik. Über dem Schelf ist der Ozean meist weniger als 500 Meter tief. „Der extensive arktische Festlandsockel könnte das geografisch größte unerforschte künftige Gebiet für Petroleum sein, das auf der Erde verblieben ist“, stellt die USGS fest.

Gegenwärtig versuchen die fünf Anrainerstaaten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen und Russland, ihr Hoheitsgebiet nicht zuletzt wegen des möglichen Rohstoffreichtums auszudehnen. Donald Gautier, Wissenschaftler der USGS, betont allerdings, dass die Vorkommen vermutlich weitgehend in Bereichen des Ozeans zu finden seien, in denen die Hoheitsrechte durch die 200-Meilen-Zone bereits geregelt sind.

Im Lichte der neuen Zahlen ist das Versenken einer russischen Flagge am Nordpol im vergangenen Jahr eher ein politischer als ein wirtschaftlich relevanter Akt: Die geologischen Formationen direkt am Nordpol und im Lomonosow-Rücken seien unter dem Aspekt der Ölgewinnung „nicht sehr interessant“, sagte Gautier. Die Wahrscheinlichkeit für die Gewinnung konventionellen Öls am Pol und im Lomonosow-Rücken, der sich durch das Meer von Sibirien nach Kanada/Grönland erstreckt, sei „sehr gering“.

Die USGS nahm ihre Berechnungen aufgrund der geologischen Struktur von 25 der 33 geologischen „Provinzen“ des Arktisraums vor. Die Wissenschaftler verglichen dabei die Bodenformationen dieser Region mit bekannten Formationen, aus denen Öl und Gas gefördert werden.

Die USGS hatte bereits im Jahr 2000 eine vorläufige Schätzung aufgrund lückenhaften Datenmaterials vorgenommen. Damals war sie zu dem Ergebnis gekommen, dass 23,9 Prozent der geschätzten unentdeckten Ölreserven und 27,6 Prozent der Gasressourcen in den geologischen Provinzen der Arktis existieren. Diese Zahlen wurden nun nach unten korrigiert, auch wenn sie imposant sind: Die vermuteten 90 Mrd. Barrel stellen 13 Prozent der unentdeckten globalen Ölreserven dar, die knapp 50 Billionen Kubikmeter Erdgas etwa 30 Prozent der unentdeckten Gasreserven.

APA, Le Monde Diplomatique

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2008)

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