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Überraschung: Karel Brückner wird neuer ÖFB-Teamchef

(c) EPA (DANIEL KARMANN)
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Der 68-jährige Tscheche soll Österreichs Fußball-Team zur WM 2010 in Südafrika führen. ÖFB-Präsident Stickler meinte: "Wir haben nicht auf den Taufschein geschaut, sondern auf Erfahrung und Erfolg".

Schon vor der angekündigten Pressekonferenz sickerte der Name des neuen Teamchefs durch - und es war ein Name, den niemand auf der Liste hatte: Karel Brückner wird das Erbe von Josef Hickersberger antreten und Österreichs Nationalteam in die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika führen. Der 68-jährige Tscheche, der zuletzt das Nationalteam seiner Heimat betreut hat, erhält einen ab 1. August laufenden Vertrag für die Dauer der Qualifikation (bis Herbst 2009). Sollte das ÖFB-Team das Ticket für Südafrika 2010 lösen, verlängert sich der Kontrakt bis zum Ende der Endrunde. Brückner wird am kommenden Montag (12.30 Uhr/live in ORF1) in einer Pressekonferenz seine Vorstellungen präsentieren.

Ziemlich genau einen Monat hat die Suche nach einem Nachfolger von Josef Hickersberger, der am 23. Juni überraschend seinen Rücktritt bekannt gegeben hatte, gedauert. Viele Kandidaten wurden von vielen Seiten ins Spiel gebracht, Karel Brückner war allerdings nie darunter. Immerhin hatte der 68-Jährige das Ende seiner Tätigkeit für das tschechische Team damit begründet, dass 34 Jahre im Trainergeschäft genug seien. Nun hängt er zumindest noch zwei Jahre an.

Freude bei Stickler

Sehr zur Freude von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, der am Freitagvormittag die einstimmige Unterstützung der Bundesliga und der Landespräsidenten erhalten hatte. "Ich darf ihnen bekannt geben, dass der neue österreichische Teamchef Karel Brückner heißt. Ich bin froh, dass es gelungen ist, Karel Bückner zu verpflichten. Er ist einer der erfahrensten Trainer einer Nationalmannschaft in Europa. Er ist ein erfolgreicher Trainer nicht nur im Bereich der Nationalmannschaft, er hat darüber hinaus große Erfolge in der Nachwuchsarbeit. Die U21-Nationalmannschaft von Tschechien, die von ihm auf die EM vorbereitet wurde, hat 2002 auch den EM-Titel der U21 erringen können. Er ist ein Mann, der nicht nur sein Wissen und seine Taktik in großen Turnieren nachdrücklich unter Beweis gestellt hat, sondern große Erfahrung und Fingerspitzengefühl mit jungen Spielern mehrmals bewiesen hat. Das ist die Garantie, dass der Weg, den wir in letzten Jahren gegangen sind mit dem Umbau und der Verjüngung, weiter gegangen wird", begründete Stickler seine Entscheidung.

Bleibt Andreas Herzog Assistent?

Internationale Erfahrung und Erfolge (Qualifikation für die EM 2004 und 2008 sowie für die WM 2006 mit Tschechien) hätten für den 68-Jährigen gesprochen und gegen einen heimischen Teamchef, betonte der ÖFB-Boss. Vor allem Hickersberger-Assistent Andreas Herzog galt als Kandidat, der ÖFB-Rekordinternationale soll dem Trainerstab um Brückner aber weiter angehören, hofft Stickler. "Es hat natürlich auch Überlegungen in Richtung interne Lösung gegeben, also mit Andreas Herzog eine Lösung zu suchen", so Stickler. "Wir haben uns für Brückner entschieden und nicht gegen Herzog. Wenn man die Möglichkeit hat, einen Mann mit diesen Erfolgen zu kriegen, dann muss man den nehmen. Brückner hat großes Interesse bekundet, mit Herzog zusammenzuarbeiten. Ich hoffe, er bleibt, die Tür für Herzog steht ganz weit offen. Ich glaube, dass er von der Erfahrung eines Karel Brückner profitieren kann."

Erste Bewährungsprobe am 20. August

In den kommenden Tagen wird es daher auch ein Gespräch zwischen Brückner, der gut Deutsch spricht, und Herzog geben. Zumindest in den ersten drei Partien wird Herzog dem Team auf jeden Fall noch zur Verfügung stehen, erklärte Stickler nach einem Gespräch mit dem 39-Jährigen. Immerhin steht am 20. August in Nizza gegen Weltmeister Italien das einzige Testspiel auf dem Programm, ehe es am 6. September in Wien gegen Vizeweltmeister Frankreich und vier Tage später in Litauen mit der WM-Qualifikation losgeht.

Nicht viel Zeit für den neuen Teamchef, sich ein Bild von seinen Teamkandidaten zu machen. Herzog und der bisherige Betreuerstab werden Brückner, der sich in den kommenden Tagen sein Trainerteam sucht, unterstützen. Zudem hätte sich Brückner schon alleine aus geographischer Nähe und als Gegner in einer der jüngsten Qualifikationen mit dem rot-weiß-roten Fußball auseinander gesetzt. Demnächst wird er auch nach Österreich ziehen. "Brückner hat uns nachdrücklich gesagt, dass er einer ist, der auf dem Platz lebt und keine Fernbetreuung macht. Er wird sehr viele Zeit auf österreichischen Fußball-Plätzen verbringen. Er ist sehr optimistisch und zuversichtlich, er erwartet sich einiges von dieser Mannschaft", erklärte Stickler.

"Haben nicht auf den Taufschein geschaut"

Dass Brückner bei der Euro 2008 mit 68 Jahren der zweitälteste Teamchef war, spielte bei der Suche keine Rolle. "Wir haben nicht auf den Taufschein geschaut, sondern auf Erfahrung und Erfolg", meinte Stickler mit Verweis auf den ältesten Teamchef. Das war Luis Aragones, der Spanien zum Titel geführt hatte. Stickler: "Ich würde auch Aragones nehmen." Auf eine medizinische Untersuchung, wie dies bei Spielertransfers üblich ist, hat man beim Teamchef jedenfalls verzichtet.

(APA/Red.)