Schnellauswahl

Großbritannien: Schottische Schläge für Gordon Brown

(c) AP (Clive Gee)
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Premier Brown ist nach der vernichtenden Labour-Niederlage in Glasgow an neuem Tiefpunkt angelangt.

LONDON. Der Führer der schottischen Nationalisten (SNP), Alex Salmond, ist kein Mann der leisen Töne. Ein „politisches Erdbeben“ hatte er vollmundig für die Nachwahl in Glasgow East vorausgesagt, und das ist es auch geworden: Mit einem historischen Sieg jagte die SNP der regierenden Labour Party einen ihrer sichersten Wahlkreise im Land ab. Mehr als 26 Prozent legten die Nationalisten zu, während Labour fast 19 Prozent verlor.

Als am Freitag gegen drei Uhr früh endlich das Endergebnis feststand, lag SNP-Mann John Mason 365 Stimmen vor der Labour-Kandidatin Margaret Curran. Bei der Parlamentswahl 2005 hatte Labour noch eine Mehrheit von 13.507 Stimmen. Es war die bisher schwerste in einer Serie von Niederlagen für die Labour-Regierung in London und ihren glücklosen Premier Gordon Brown.

Die Partei nahm die historische Schlappe am Freitag fast schon resigniert zur Kenntnis und machte die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich. Im zweiten Quartal 2008 betrug das Wachstum nur 0,2 Prozent, 80 Prozent der Briten rechnen mit einer Rezession. Brown erklärte aber: „Meine Aufgabe ist es, meinen Job weiter zu machen.“


Obama trifft lieber Blair

Manche Hinterbänkler, die schon um ihren Sitz bangen, sind sich da nicht mehr so sicher. Schon wird über mögliche Nachfolger getuschelt, und Entwicklungsminister Douglas Alexander, einer der engsten Vertrauten Browns, warnte noch in der Wahlnacht: „Eine gespaltene Partei verliert.“ Einziger Trost für Brown: Den rapide sinkenden Labour-Dampfer will derzeit ohnehin niemand übernehmen.

Wahlsieger Mason jubelte: „Wir haben ein politisches Erdbeben angekündigt, aber dieses Ergebnis liegt jenseits der Richterskala.“ Die SNP hat Labour offenbar dauerhaft als stärkste Partei in Schottland abgelöst.

Die größten Nutznießer aber sind die Konservativen, denn ohne die schottischen Sitze ist Labour bei Parlamentswahlen chancenlos. Ihr Führer David Cameron beeilte sich denn auch, sofortige Neuwahlen zu fordern. Ehe er seinen Kurzurlaub an der englischen Küste antritt, wird Brown heute US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama treffen.

Die nächste Demütigung ist ihm dabei schon sicher: Obamas Team bestand auch auf einer Begegnung mit Browns ungeliebtem Vorgänger Tony Blair. Hinter den Kulissen hieß es, ein Foto mit dem Siegertypen Blair sei für Obama wichtiger als eine Pressekonferenz mit Brown.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2008)