Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Die Karadzic-Saga in der Märzstraße

Gratulation der Wiener Polizei, die entscheidend zur Enttarnung des Rauschebarts beitrug!

Auf einmal wollten alle Radovan Karadzic in Wien gesehen haben. Die einen sahen ihn über den Meiselmarkt flanieren, den anderen verabreichte der mutmaßliche Kriegsverbrecher mit der perfekten Rauschebart-Tarnung in der Märzstraße Kräutercocktails gegen Erektionsstörungen. Und ein Augenzeuge blickte dem weißhaarigen Wunderheiler versonnen in der Lugner-City nach: richtig, das war Richard Lugner.

Zunächst würdigte der „Kurier“ all die seltsamen Geschichten mit einer Titelseite. Doch richtig Gewicht erhielt die Wiener Karadzic-Saga erst, als sich bei der Wiener Polizei die „Indizien verdichteten“. Und das war dann natürlich gleich ungefiltert in der „Krone“ zu lesen: Beamte seien 2007 bei einer Razzia in der Märzstraße auf einen Typen gestoßen, der wie Karadzicausgeschaut und sich als Petar Glumac ausgewiesen habe.

Man kann der Wiener Polizei nur gratulieren. Sie dürfte entscheidend zur Aufklärung des spektakulärsten Falls beigetragen haben, der je den 15.Bezirk in Atem gehalten hat. Bei dem Wunderheiler, der sich als Petar Glumac ausgegeben hat, dürfte es sich tatsächlich um Petar Glumac handeln. Es war diese glanzvolle Datenaufnahme, die der Nachrichtenagentur Tanjug ermöglicht hat, der Identität des Karadzic-Doppelgängers auf die Schliche zu kommen.

Nur Nörgler werden ätzen, dass da in mancher Redaktions- und Polizeistube zu schnell geschossen wurde. Wer will ihnen die Verwechslung übel nehmen, wo doch Glumac selbst meinte, er sehe Karadzic zu „1000“ Prozent ähnlich? (S.3)


christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2008)