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Kritik Teenagerfilme: Tom Cruise redet wieder wirres Zeug

Helden von heute: im Argentinien-Drama „Glue“, nicht in der US-Parodie „Superhero Movie!“

Tom Cruise redet schon wieder wirres Zeug! Wie erst unlängst im umnachteten Scientology-Video im Internet. Nur ist es diesmal nicht Tom Cruise, sondern ein Imitator namens Miles Fisher: Er liefert damit die einzig halbwegs witzige Szene der Filmparodie Superhero Movie!

Sonst wird dort strikt auf dem Niveau des Titels persifliert, also eher gar nicht: Vielmehr gibt es nachgespielte Szenen aus Superheldenfilmen, lose garniert mit Fäkalwitzen und Popkulturzitaten (wie dem Cruise-Video). Das ist tödlich als Teenagerkomödie, doch eventuell ergiebig als Material für zukünftige Zeitgeistforscher. Nichtssagende Filme wie dieser (es gibt einen ganzen Zyklus) sind mit ihrer leeren Abfolge von gerade Populärem wie schwarze Löcher im nutzlosen Informationsüberschuss der globalisierten Medienära. Sozialpessimisten mögen sie als Beleg für den Untergang der Jugend-, ja jeglicher Kultur dienen.

 

Alkohol und Klebstoff

Aber gleichzeitig kommt aus dem Hinterland von Argentinien ein Regiedebüt wie Glue von Alex Dos Santos und belegt die Universalität von Jugendkultur und deren Identifikationsangeboten. Und die darin bis zur Peinlichkeit glaubwürdig geschilderten Teenagerprobleme – natürlich ganz weit vorne: das leidige sexuelle Erwachen – sind weltweit wiederzuerkennen: Patagonien ist überall. So hängt der junge Lucas im Nirgendwo herum, mit Freund und Freundin (Ines Efron, ein Naturtalent: Sie schaut ständig so drein, als wären ihr die Brillen zu groß – selbst wenn sie gar keine aufhat).

Alle drei sehnen sich nach Sex, ohne noch recht zu wissen, was sie erwartet. Lucas singt davon in seiner Band: „Wüste zwischen den Beinen“. Gelangweilte Spielereien führen oft zu nichts, manchmal zu spielerischen Körpererkundungen und mehr. Alkohol und Klebstoff – daher der Titel – helfen als Enthemmer.

Und die enthemmte Klage der guten alten „Violent femmes“ dient noch als Lieblingspopmusik (Dos Santos bekennt sich zum autobiografischen Ansatz seiner Entwicklungsgeschichte), das macht den Film auch etwas zeitloser. Zusammen mit den Schauplätzen, der Sympathie für die Figuren, den Leerläufen und Affektiertheiten (Home-Movie-Momente zu adoleszentem Off-Sinnieren) sorgt das für einen Tonfall, wie man ihn vor anderthalb Dekaden als „Independent-Film“ mochte. In Superhero Movie! ist alles Erleben nivelliert, inGlue ist jede Erfahrung buchstäblich eine Sensation, zumindest für die Protagonisten: In ihrer Welt sind sie die Helden von heute.

Aktuell im Kino („Glue“: im Top, Wien).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2008)