Beach-Volleyball: Der hohe Preis der Freiheit

(c) AP (Peter Klaunzer)
  • Drucken

Profis der World-Tour stehen für Coolness, Spaß und Sonnenschein. Ohne Sponsorgelder aber würde das Abenteuer schnell zum grauen Alltagsjob schrumpfen.

WIEN/ KLAGENFURT. Sie waren in New York und L.A., sie lieben Rio de Janeiro und tingeln im Rahmen der Beachvolleyball-World-Tour einmal pro Jahr rund um den Erdball. Beach-Profis wie Clemens Doppler oder Peter Gartmayer haben vermutlich den schönsten Job der Welt – sie sehen jeden Strand, spielen bei Sonnenschein und leben Coolness, Spaß, Show sowie Freiheit in ihrer Reinkultur vor. Der Kontrast zum täglichen Bürojob ist grell. Wer erntet schon von Kollegen stets Applaus oder hört Cheerleader-Jubel aus dem Chefzimmer?

Doch Sportprofis fällt nicht alles, was im ersten Augenblick perfekt und wünschenswert erscheint, so direkt in den Schoß. Seit dem Jahr 2005 spielen Doppler und Gartmayer gemeinsam, in dieser Saison erleben sie mit den Spielen in Peking ihren Höhepunkt der Karriere. Ihren Beruf begleiten Siege, Niederlagen und unbezahlte Verletzungspausen (zwei Kreuzbandrisse; Doppler). Dazu kommen tägliches Training, ebenso die Kosten für Platzmiete, Trainer Marco Solustri und die Miete für eine Wohnung in Rom – sie komme letztlich aber billiger, als bei jedem Italien-Besuch ein Hotel zu buchen, verrät Gartmayer.

Maximal „Tatort“, niemals „CSI“

Wer von Sponsoren und Preisgeldern lebt, müsse tunlichst danach trachten, mit seinem Saisonbudget hauszuhalten. Von finanziellen Mitteln, über die US-Kollegen (bis zu 500.000 Dollar) oder Brasilianer (700.000 $) pro Jahr verfügen, können die beiden Österreicher nur träumen. Ebenso ein imagetauglicher Auftritt in der TV-Serie „CSI“ – die Beachvolleyballerin Kerri Walsh (USA) ist an Miamis Stränden oft zu sehen – ist utopisch. Das sei „eine andere Liga“, wirft Doppler ein, und dennoch will er den Traum einer „Tatort“-Gastrolle nicht verwerfen. Dafür aber wären Turniersiege, vorzugsweise beim Grand Slam in Klagenfurt oder in Peking, unbedingt Voraussetzung.

Neben Solustri, der als Fachmann eine „Lawine“ koste, schlagen sich Manager, PR-Betreuung, Flüge, Hotels, Transfers, Mietautos oder Equipment-Anschaffung auf das Budget. Da auch Sportler Steuern bezahlen müssten, sei man regelrecht zum Erfolg verdammt, sagt Doppler. Wer grob gerechnet 30.000 € pro Jahr nur für Reisen zu Turnieren vorstrecken muss, ohne dabei auch nur einen Cent verdient zu haben, benötigt einen sicheren (Sponsor-)Rückhalt. Gartmayer: „So schön unser Sport und der Beruf auch sind, auch diese Freiheit hat eben ihren Preis.“ Dennoch: Als Beamter hätte Peter Gartmayer, das gibt er offen zu, vollkommen versagt. Dafür fehlt ihm die nötige Ruhe. Auch hätte er so niemals seine bessere Hälfte (Jenny) kennengelernt.

600.000 Dollar warten

Der große Traum des Duos wäre es, in Klagenfurt zu gewinnen, den Siegerscheck des mit 600.000 Dollar dotierten Turniers in Empfang zu nehmen und prompt das Versprechen von Veranstalter Hannes Jagerhofer einzufordern, den Stephansdom im Adamskostüm zu umrunden. Wer bei einem Gesamtwerbewert von 13,2 Mio. Euro angelangt ist, den dürfte diese Extratour nicht stören. siehe S. 14

AUF EINEN BLICK

Die Beachvolleyballer
Clemens Doppler & Peter Gartmayerspielen seit 2005 gemeinsam auf der World Tour. Ohne Sponsoren wäre ihr Beruf nicht möglich.

Der Traum von Siegen in Klagenfurt (ab heute) und Peking lebt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.