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Die Stein (ARD): Der Kitsch-Klischee-Klan

(c) ARD
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Der lauwarme Aufguss abgenutzter Un-Handlungen bedient ziemlich alle Klischees einer lähmenden Seifenoper. Eine vorher- aber nicht ansehbare Leierorgel zwischenmenschlicher Bedeutungslosigkeit.

20:15 Uhr, Julia Stemberger steigt lächelnd aus einem See. Die Welt ist schön. Drei Minuten später macht sie sich schon mit perfekter Frisur auf den Weg in ihre neue Schule. Sie ist Lehrerin (Deutsch und Geschichte, was sonst) in einem ländlichen Gymnasium und der Liebe (was sonst #2) wegen aus Berlin in die Provinz gezogen.

Die anderen Charaktere sind schnell eingeführt:

  • Der Direktor, ein aalglatter ehemaliger Liebhaber der Hauptperson, der mit der Praktikantin ein Verhältnis hat. Für eine Hauptabendserie ist die Naktaufnahme in Vollversion von ihm beim Ausleben dieses "G'spusis" überraschend.
  • Der örtliche Landwirt, der ihr mit seinem Pferdefuhrwerk Platz auf der Straße macht. Der Zuseher weiß: Das wird ihr nächster Liebhaber.
  • Ihr Mann, ein Koch, der mit ihrer Schwester im Bett erwischt wird. Wie in der Celebrations-Werbung erklingen tausende "Du Schüft"-Rufe in deutschen Wohnzimmern.

Handlung, wo bist du?

Die erste Folge langweilt nicht nur mit einem altbekannten Strickmuster. Auch übertrieben kitschige Sequenzen gibt es mehr als genug. So ist etwa der erste Schülerkontakt der neuen Lehrerin ein weinender kleiner Bub, der keine Freunde hat. Natürlich tröstet sie ihn, er revanchiert sich später mit einem selbst gebastelten Geschenk. Oder der Streit der Lehrerin mit ihrem untreuen Ehemann: Durchgehend rational, beendet durch eine berührende Aufnahme des Holzstegs im Sonnenuntergang.

Was an drei Tagen alles passieren kann

Die erste Folge behandelt die ersten drei Tage der Pädagogin in der neuen Schule. In diesen 72 Stunden passiert nicht weniger als dass

  • die Hauptperson ihren Mann in flagranti erwischt und in eine neue Wohnung zieht
  • ihre Schulklasse von harscher Abneigung zu persönlicher Anhängerschaft wechselt
  • der Umgangston in der Schule revolutioniert wird
  • die Lehrerin einen Schüler vor dem Jugendamt rettet

"Bitte nicht auch das noch"

..war jener Gedanke, der wohl am öftesten durch den Kopf der Betrachter geisterte. Wann immer die Serienhandlung zu einem Punkt kam, an dem eine kitschige nächste Szene drohte - so folgte sie auch.

Wer sich also einmal 45 Minuten lang in die Niederungen deutscher Fernsehunterhaltung begeben möchte, dem sei "Die Stein" lauwärmstens empfohlen. Denn nicht einmal die beliebte Ausrede, sich Rosamunde Pilcher-Verfilmungen anszusehen (wegen der Landschaft), ist hier angebracht.

Allerdings sollte man sich dringend einen Splatter oder Actionfilm zurechtlegen, um gleich danach wieder etwas Leben in den Fernseher zu hauchen.