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BND: Hinter Terroranschlag von Istanbul steckt nicht PKK

Beerdigung der Opfer des Terroranschlags in Istanbul
REUTERS (Osman Orsal)
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Acht Verdächtige befinden sich nach dem Doppelanschlag vom vergangenen Sonntag in U-Haft. Der deutsche Geheimdienst glaubt nicht, dass die PKK dahinter steckt. Bekannt hat sich zu dem Attentat bisher niemand.

Die türkischen Behörden haben kurdische Rebellen für die zwei Bombenanschläge in Istanbul in der vergangenen Woche verantwortlich gemacht. Die an der Planung und Durchführung der Attentate Beteiligten seien mittlerweile gefasst, teilte Innenminister Besir Atalay am Samstag mit.

Anders sieht dies der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND). Präsident Ernst Uhrlau sagte der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe): "Das Attentat in Istanbul passt nur schwer zur PKK. Sowohl die Technik des Anschlages als auch Ort und Zeit deuten eher auf einen islamistischen oder innertürkischen Hintergrund."

Es sei "nicht auszuschließen", dass die Terrororganisation Al-Kaida hinter dem Anschlag stecke. "Wir wissen, dass islamistische Terroristen auch in der Türkei am Werke sind - als Teil eines 'Globalen Jihad', eines weltweiten Krieg gegen alle, die als 'Ungläubige' gelten", sagte Uhrlau.

Acht Menschen in U-Haft

Nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi behielt ein Istanbuler Gericht acht Menschen in Untersuchungshaft, die im Zusammenhang mit den Anschlägen festgenommen worden waren. Der Staatsanwalt wirft ihnen vor, Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu sein.

Zwei Bomben binnen weniger Minuten

Am Sonntag waren in einem Arbeiterviertel Istanbuls innerhalb weniger Minuten zwei Bomben explodiert. Dabei wurden 17 Menschen getötet und rund 150 verletzt. Die Behörden hatten bereits zu erkennen gegeben, dass sie die PKK für die Anschläge verantwortlich machen. Allerdings hat sich bisher niemand dazu bekannt, und die PKK verurteilte die Tat.

Bei dem Anschlag in einer Fußgängerzone im europäischen Stadtteil Güngören waren unter den Todesopfern mehrere Kinder und eine hochschwangere Frau. Es war der schwerste Terroranschlag in Istanbul seit fünf Jahren.

Noch vor der Vorführung der Verdächtigen beim Haftrichter hatte Innenminister Atalay verkündet, die Tat sei "auf der Grundlage sicherer Beweise und Erkenntnisse, die keinen Zweifel zulassen, aufgeklärt". Ein "Großteil der Täter" sei gefasst, sagte der Minister am Samstag vor Journalisten. Der Anschlag sei "das Werk der separatistischen Terrororganisation mit Blut an den Händen", sagte Atalay, ohne die PKK beim Namen zu nennen.

PKK bestreitet Beteiligung

Nach Angaben des Ministers wird den Festgenommenen noch ein weiterer Anschlag auf einen Teegarten zur Last gelegt, bei dem Mitte Juni - ebenfalls im europäischen Teil Istanbuls - zehn Menschen verletzt worden waren. Von den 154 Verletzten des Anschlags von Güngören werden laut Atalay noch 27 im Krankenhaus behandelt.

Die PKK, die seit den 80er Jahren für eine kurdische Autonomie im Südosten der Türkei kämpft, hatte gleich nach dem Anschlag jegliche Beteiligung bestritten. Sie wird nicht nur von der Türkei, sondern auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Dem fast drei Jahrzehnte alten Konflikt sind weit mehr als 35.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Fünf Tote im Südosten

Im Südosten der Türkei wurden unterdessen fünf bewaffnete Dorfwächter getötet. PKK-Kämpfer hatten laut Berichten türkischer Nachrichtensender in der Provinz Sirnak auf die Männer geschossen. Demnach ereignete sich das Gefecht am Samstag in Bestler Dereler, einer Region im Grenzgebiet zum Irak. Mit Luftangriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak versucht die türkische Armee seit Monaten zu verhindern, dass PKK-Kämpfer über die Grenze in die Türkei eindringen.

(APA)