Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Im Kino: Gemächlicher Alltag mit Monstern

Dainipponjin
(c) rapid eye movies
  • Drucken

Eine prächtige Pokerface-Komödie: „Der große Japaner – Dainipponjin“ von Superstar Hitoshi Matsumoto als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller.

Japanische Starkomiker pflegen schrägen Humor. So auch Hitoshi Matsumoto, dessen 1983 mit einem Schulfreund gegründetes Comedy-Duo „Downtown“ in Japans TV-Hauptabendprogramm regiert – mit einer Spielart rasanter Stand-up-Comedy namens „Manzai“, die auf uneingeweihte Westler, gelinde gesagt, etwas eigen wirkt.

Bei aller gewollten Gemächlichkeit trägt auch Matsumotos Allrounder-Filmdebüt als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller diese eigenartige Handschrift: Der große Japaner – Dainipponjin hat er angeblich gemacht, um die Allgegenwart von Landsmann Takeshi Kitano als Kinoregiestar gewordener Komiker zu brechen. Dem im Westen berühmteren Kollegen wird mit kongenial trockenem Witz Paroli geboten. Und das nicht zu knapp. Wie staubtrocken der Schmäh von Hitoshi Matsumoto ist, mag man der Tatsache entnehmen, dass er sein Filmdebüt unter einem Pseudonym bestreitet, das bei oberflächlicher Betrachtung kaum als solches zu erkennen ist: Hitosi Matumoto.

So schön die kleinen Unterschiede einzelner Buchstaben auch sind: In Der große Japaner – Dainipponjin geht es buchstäblich um die ganz großen Dinge, die Japan erschüttern. Riesenmonster greifen an, in alter Regelmäßigkeit. Also fährt der Titelheld ins Kraftwerk, wo er in einer irren Prozedur zum Giganten mit Elektroschockfrisur mutiert. (Eine gewaltige Unterhose ist für ihn aufgespannt, nicht nur sie lässt die in diesem Blatt etwas voreilig gelobte Einsicht in entsprechende Beinkleidstrategien des unglaublichen Hulk gleich wieder alt aussehen.) Wiederholt zieht der träge japanische Riese dann gegen absurde Widersacher wie das einbeinige Hüpfmonster ins Feld, erringt pathetische Siege hauptsächlich dank deren Unzulänglichkeit.

Diese lachhaften Schlachten, mit passend preiswerten Digitaleffekten präsentiert, sind der Blickfang des Films – werden aber zusehends von dessen anderer Hälfte ausgestochen. Da folgt die Kamera im aus TV-Komödienformaten wie „The Office“ bzw. „Stromberg“ bewährten Reality-Stil dem sonstigen, ereignislosen bis erbärmlichen Alltag des ungeliebten Monsterbekämpfers. Die offenbar von erregten Bürgern durch seine Fensterscheibe geworfenen Ziegelsteine ignoriert er in peinlicher Stille mit salomonischem Gleichmut.

Löst sich die Zunge des dem Trunke keineswegs abholden Mannes, dann etwa, um über seine Vorliebe für Knirpsschirme zu dozieren. Der hinterfotzige Humor des gefälschten Dokumentarspiels gefällt gerade durch die penetrante Pokerface-Attitüde: Je weniger es zu lachen gibt, desto lustiger ist die ganze Scharade.


Quietschvergnügte Exzesse

Seine unterspielte Ironie treibt Matsumoto schließlich in einem angemessen umnachteten Finale auf die Spitze: Da wandeln sich alle Beteiligten eines Kampfes von computergenerierten Figuren zu „echten“ Riesen, die von Menschen in Gummianzügen verkörpert werden, wie es der erhabenen Tradition japanischer Monsterfilme entspricht.

Und Matsumotos Film gibt sich mit quietschvergnügter Doppelbödigkeit den Exzessen hin, die er eigentlich anklagt: einer Entertainment-Kultur, in der die Wurzeln und Traditionen Japans verschwinden. Den schrägen Humor einmal ausgenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2008)