Bergdrama am K2: Schwarzer Tag für den Alpinismus

K2
K2(c) AP
  • Drucken

Mindestens neun Bergsteiger starben nach einem Eissturz auf dem K2. Zwischen 20 und 25 Menschen hatten sich in der Gefahrenzone befunden, als sich ein Eisblock löste und Seile mitriss.

Islamabad/Wien (ag, red).Auch wenn die Opferzahl am Sonntagnachmittag mehrmals nach oben korrigiert wurde, war eines bald klar: Was sich in den vergangenen Tagen am K2, dem mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Welt, abspielte, ist das größte Drama, das dieser gefährliche und gerade deshalb als „Trophäe“ so beliebte Berg bisher erlebt hat.

Zumindest neun Extrembergsteiger wurden Opfer eines tödlichen Eissturzes beziehungsweise Lawinenabgangs, der sich bereits am Freitag auf ungefähr 8200 Metern Höhe beim sogenannten „Flaschenhals“ ereignet hatte. Mehrere Seilschaften mit insgesamt zwischen 20 und 25 Menschen hatten sich in der Gefahrenzone befunden, als sich am Freitag ein Eisblock löste und Seile mit sich riss.

Keine vermissten Österreicher

Glück im Unglück hatten die zwei zunächst als vermisst gemeldeten österreichischen Bergsteiger, Christian Stangl und Thomas Strausz, die am Sonntag müde, aber unversehrt ins Basislager zurückkehrten. Sie hatten den Lawinenabgang bemerkt, waren aber verschont geblieben: „Wir haben erst heute erfahren, dass wir als vermisst gelten“, sagte Stangl, der sich als Skyrunner einen Namen machte, der APA. Sie seien die einzigen zwei Österreicher im Basislager, es gälten auch keine weiteren Landsleute als vermisst.

Die Informationslage sei aber verworren. Im Basislager spreche man von zehn Todesopfern. Unter diesen sollen sich mehrere Koreaner, ein Serbe, zwei Nepalesen und ein Pakistaner befinden.

Obsession für den K2

Vermisst wurde am Sonntag noch der Ire Gerard McDonnel. Der 34-Jährige, der als erster irischer Alpinist den zweithöchsten Berg der Welt besteigen wollte, hat vermutlich den Gipfel erreicht, seither fehlt aber jede Spur. Auch der Serbe Dren Madic wollte der erste Bergsteiger seines Landes auf dem Gipfel des K2 sein.

Ebenfalls vermisst wurden der Norweger Rolf Bae und seine Frau Cecile Skog, die bereits zum zweiten Mal versuchten, den K2 zu bezwingen. Auch vom Franzosen Hugues d'Aubarede, der laut Medienberichten eine richtiggehende Obsession für diesen Berg hatte, fehlte jegliches Lebenszeichen.

Der Holländer Wilco van Rooijen hingegen, einer der Leiter der mindestens fünf Seilschaften, wurde Sonntag früh von Bergsteigerkollegen entdeckt und konnte ins Höhenlager Nummer vier in Sicherheit gebracht worden. Er habe Erfrierungen an den Füßen erlitten, es gehe ihm aber den Umständen entsprechend gut, berichtete eine italienische Internetseite, die die Rettungsaktion akribisch mitverfolgte.

Laut dem Rettungskoordinator Agostino Da Polenza, der vor wenigen Wochen auch die Bergungsaktion für zwei verunglückte Südtiroler am neunthöchsten Berg der Welt, dem Nanga Parbat, geleitet hatte, sei eine weitere Rettungsaktion per Hubschrauber geplant. Das italienische Bergsteiger-Forschungsinstitut organisiere gemeinsam mit dem Krisenstab des Außenministeriums in Rom und der italienischen Botschaft in Pakistan die Entsendung von pakistanischen Helikoptern. Diese könnten jedoch wahrscheinlich nur bis zum Basislager oder etwas höher fliegen. Das Wetter sei momentan gut, aber die Zeit dränge, betonte Da Polenza.

Tage in eisiger Felswand

Mitte Juli war der Südtiroler Bergsteiger Karl Unterkircher am Nanga Parbat von schlechtem Wetter überrascht worden und in den Tod gestürzt. Seine zwei Kollegen Walter Nones und Simon Kehrer konnten erst nach Tagen an einer eisigen Felswand in Sicherheit gebracht werden.

Als tödlichster Tag am K2, der Bergsteigern als wesentlich anspruchsvoller gilt als der noch höhere Mount Everest, hatte bisher der 13. August 1995 gegolten: Damals verschwanden sechs Bergsteiger während eines Sturms.
Im Sucher Seite 23

FAKTEN

Der K2 ist mit 8611 m derhöchste Gipfel des Karakorum-Gebirges im Grenzgebiet zwischen China und Pakistan, gleichzeitig der zweithöchste Berg der Erde. Er gilt als weitaus anspruchsvoller als der noch höhere Mount Everest.

Die Erstbesteigung schafften am 31. Juli 1954 die Italiener Achille Compagnoni und Lino Lacedelli. Bis Jahresende 2007 kamen insgesamt 66 Bergsteiger am K2 ums Leben.

(c) Die Presse / HR, Fotos: APA

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2008)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.