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Aktienmärkte: Die Angst vor einem Finanzcrash

Workers cross the Millenium Bridge with the City of London seen behind, in London
REUTERS
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Die „Supernotenbank“ BIZ verstärkt ihre Warnungen vor einer neuen Finanzkrise. Niedrige Zinsen dürften zu gefährlichen Blasen führen.

Wien. Schon vor einem Monat schlug die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Alarm. Sie warnte in ihrem damaligen Quartalsbericht vor einer neuerlichen Finanzkrise. Nun verschärft der Chefökonom der BIZ, Claudio Borio, den Warnruf. Seinen Angaben zufolge sei die gegenwärtige Situation ähnlich wie die Phase vor der Finanzkrise 2008. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan. So wurden die Regeln für die Banken verschärft. „Aber ein zentraler Aspekt ist ähnlich wie damals. Das Zinsniveau scheint weltweit zu niedrig, um langfristig für Preis- und Finanzstabilität zu sorgen. Das ergibt sich aus dem Vergleich mit historischen Wachstums- und Inflationszahlen“, sagte Borio am Montag der deutschen Zeitung „Die Welt“.

Die BIZ gehört zu den wichtigsten Finanzinstitutionen weltweit. Sie nimmt eine führende Rolle bei der Zusammenarbeit der Notenbanken ein. Alle wichtigen Notenbanken sind Mitglied der BIZ – wie die US-amerikanische Fed, die Europäische Zentralbank, die chinesische Volksbank und die Bank of Japan. Keine andere Institution verfügt daher über einen so guten Überblick über die Finanzströme wie die BIZ. Sie hat bereits vor der Finanzkrise 2008 gewarnt. Doch auf ihren Alarmruf wurde damals nicht gehört.

"Signal, dass etwas schiefläuft"

Laut BIZ-Chefökonom Borio sei eines der Hauptprobleme der Notenbanken, dass man sie verpflichtet, „innerhalb von ein oder zwei Jahren ein bestimmtes Inflationsziel zu erreichen, ohne auf irgendetwas anderes zu achten“.
Im Zuge der Wirtschaftskrise haben die Notenbanken weltweit die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Doch die erhoffte Wirtschaftserholung blieb aus. Stattdessen besteht nun die Gefahr, dass sich Blasen bilden.
Denn viele Investoren geben sich mit den niedrigen Zinsen nicht zufrieden und gehen immer höhere Risiken ein. Sie legen ihr Geld beispielsweise in den Schwellenländern an – wie in China, Brasilien, Indien und der Türkei.
In den vergangenen Jahren erhöhten die auf Schwellenländer spezialisierten Fonds ihre Investitionen von 900 Milliarden auf 1,4 Billionen Dollar. Laut Borio sieht die BIZ aber auch „in einigen von der Krise weniger betroffenen Industrieländern“ nicht tragfähige Entwicklungen. Als Beispiel dafür nannte er die stark ansteigenden Immobilienpreise.

In Österreich hatte vor Kurzem die Nationalbank gewarnt, dass in Wien die Wohnimmobilien um 23 Prozent überbewertet seien. Außerdem stiegen in den vergangenen Jahren viele Aktienmärkte besonders stark. Die Kurse haben sich längst von der Realwirtschaft abgekoppelt. Denn auch konservative Anleger kaufen verstärkt riskantere Wertpapierprodukte, weil sie sich höhere Renditen erhoffen.

„Der Risikoappetit hat sich seit einiger Zeit auseinanderentwickelt: Während auf den Finanzmärkten bis vor Kurzem hohe Risken eingegangen worden sind, ist in der Realwirtschaft das Gegenteil zu beobachten. Dort nimmt sich die Risikobereitschaft eine Auszeit. Es wird beispielsweise kaum noch investiert“, meint der BIZ-Chefökonom. Hinzu kommt, dass Firmen immer höhere Preise akzeptieren, um andere Unternehmen zu übernehmen. „Manager haben das billige Geld lieber in Übernahmen oder Aktienrückkäufe gesteckt, statt es in ihr eigenes Geschäft zu investieren. Das ist ein klares Signal, dass etwas schiefläuft“, sagt Borio.

Auch an den Börsen hat zuletzt die Angst vor einem Crash zugenommen. In der Vorwoche ging es auf vielen Aktienmärkten weltweit bergab. In den USA war von einem „Flash Crash“ die Rede, weil viele Investoren Aktien verkauften und ihr Geld in sichere Staatsanleihen steckten. Keiner weiß, ob damit schon die Talsohle erreicht ist.

Sorge vor "Triple Dip"

In der Eurozone wächst die Sorge von einem „Triple Dip“. Das bedeutet, dass die Wirtschaft nach 2008/2009 und 2012 zum dritten Mal in eine Rezession schlittern könnte.
Hinzu kommt die Angst vor Ebola. Bis jetzt war die Seuche an den Börsen noch kein allzu großes Thema. Doch das könnte sich schlagartig ändern, wenn sie sich in westlichen Industrieländern ausbreitet.

Auf einem Blick

Der Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Claudio Borio, warnte am Montag vor einer neuen Finanzkrise als Folge der anhaltend lockeren Geldpolitik. Die BIZ gehört zu den wichtigsten Finanzinstitutionen weltweit. Alle wichtigen Notenbanken sind Mitglieder der BIZ – wie die amerikanische Fed, die Europäische Zentralbank und die chinesische Volksbank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.10.2014)