China: Milliardenshow Olympische Spiele

(c) APA (Helmut Fohringer)
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Das Olympische Komitee erwartet neue Rekorde: Vor allem bei den Einnahmen. Allein die Übertragungsrechte sichern dem IOC für die Spiele in Turin (2006) und Peking 2,5 Milliarden Dollar.

Die Spiele können beginnen: Nach einer rekordverdächtigen olympischen Kraftanstrengung ist China bereit. Ein rekordverdächtiger Bauboom verschlang 40 Milliarden Dollar, Benimm- und Englischkurse für die Pekinger Bevölkerung sollten das Volk auf die Gäste einstimmen.

In der wichtigsten olympischen Disziplin – Profit – soll Peking alle Rekorde brechen.

Pierre de Coubertin wäre höchst verwundert, könnte er sehen, in welche Richtung sich seine 1894 geborene Idee, mit dem Internationalen Olympischen Komitee auch die Olympischen Spiele wiederzubeleben, entwickelt hat. Denn das Produkt „Olympia“ ist eine Goldgrube, und bei den Spielen in Peking ab 8.August gibt es bei erwarteten vier Milliarden TV-Zusehern garantiert einen großen Gewinner: das Internationale Olympische Komitee IOC.

Die unantastbare Macht

Die kommerzielle Transformation schlägt sich in schwarzen Zahlen nieder. Allein die Übertragungsrechte sichern dem als Verein in Lausanne gemeldeten IOC für die Spiele in Turin (2006) und Peking 2,5 Milliarden Dollar. Dazu kommen Einnahmen aus Sponsorverträgen in der Höhe von 900 Millionen Dollar. Jeder der zwölf Hauptsponsoren steuert im Schnitt 74 Millionen Dollar bei. Ticket- und Lizenzeinnahmen für Peking kommen noch dazu.

Deshalb ist das IOC eine „unantastbare Macht“ – sowohl in der Wirtschaft als auch in der Welt-Politik – denn all seine Mitglieder, Freunde, Partner und nationale Ableger legen tunlichst Wert darauf, selbst Stücke vom großen Kuchen zu bekommen.

In den 1970er-Jahren litt das IOC unter schweren finanziellen Einbußen, verursacht durch Präsident Avery Brundage. Der Amerikaner hatte nicht nur Karl Schranz (1972, Sapporo) ausgeschlossen, sondern auch vehement dafür votiert, Sponsoren und vor allem die TV-Anstalten fernzuhalten von Olympia. Der strikte „Verfechter der Amateure“, war von 1952 bis 1972 im Amt.

4,2 Milliarden für Olympia 2004

Erst ab 1980, unter der Regie des Spaniers Juan Antonio Samaranch, begann sich die größte Sport-Organisation der Welt finanziell zu erholen und den wahren Wert seiner Spiele zu begreifen. Er lieferte den Anstoß zum Milliardenimperium, sodass sein stiller Nachfolger, der Belgier Jacques Rogge, nichts anders zu tun hat, als die Früchte dieser Arbeit in Empfang zu nehmen.

Denn für die Spiele 2002 in Salt Lake City und 2004 in Athen wurden allein 4,2 Milliarden Dollar auf der Einnahmenseite verbucht. Zum Vergleich: 1984 warfen die Spiele in Los Angeles nur 287 Millionen Dollar ab. Das IOC gibt den größten Teil seines Gewinnes weiter – 92 Prozent gehen an die 205 nationalen Komitees und andere Sportvereine. Der Rest bleibt dem IOC – für administrative Kosten, nicht für die Abhaltung der Olympischen Spiele. Denn die zahlt das Gastgeberland. So budgetierte Griechenland für die Spiele in Athen 1,6 Mrd. Dollar, geworden ist es dann das Zehnfache.

Das IOC und Olympia müssen den Vergleich mit dem Fußball-Weltverband Fifa nicht scheuen. Die bekam von 2003 bis 2006 drei Milliarden Dollar in die Kassa. Die WM 2006 erbrachte von TV-Stationen 1,6 Milliarden Dollar, Marketing-Rechte sicherten weitere 1,6 Milliarden.

Mit dem Erschließen neuer Märkte – etwa Russlands (Sotschi 2014) – und dem verstärkten Einsatz des Internets steht einer nächsten Preiserhöhung nichts im Wege. Für die Winterspiele 2010 (Vancouver) und die Sommerspiele 2012 (London) wurden die „Tarife“ bereits um 40 Prozent erhöht. Dabei sollen bereits Internet und Mobiltelefonie 15 Prozent des Gesamtumsatzes einspielen. Nicht umsonst heißt es immer wieder: „Das waren die besten Spiele aller Zeiten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2008)

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