Schwarze Löcher? Genug gestritten!

Auf dem Wahlplakat Werner Faymanns missfällt mir nicht so sehr der Slogan „Genug gestritten“

Das ist eine gefällige Variation der Mahnung, die wir aus großmütterlichem Munde kennen: „Tut's nicht streiten, Kinder!“ Faymann schaut ja auch auf dem Plakat ein bisschen drein wie ein braves Enkerl.

Aber die Krawatte gibt mir zu denken. Ich gehöre noch zu einer Generation von Männern, denen der Vater gesagt hat: „Die schwarze Krawatte, Bub, wählt man nur, wenn man in Trauer ist!“ Auch wenn sie, wie wir belehrt wurden, im Falle Faymanns „aus feinem Tuch“, gar vom Knize ist.

Man muss ja nicht darüber spekulieren, anlässlich welchen Verlusts – sozialdemokratische Werte gar? – der Spitzenkandidat Trauer trägt. Und diverse Spiele mit parteipolitisch punzierten Farben wollen wir den Kabarettisten simplen Witzes überlassen. Also ganz praktisch: Schwarze Anzüge (und/oder Krawatten) im Sommer, da wird einem schon vom Anschauen heiß. Unangenehm heiß.

Physikalisch einsichtig, sage ich: Denn ein schwarzer Körper, und sei er auch kein idealer, absorbiert elektromagnetische Strahlung sämtlicher Wellenlängen. Natürlich emittiert er auch Strahlung, aber eben im infraroten Bereich, und das wärmt erst recht. Man braucht mir nicht mit Wüstenbewohnern kommen, die angeblich Schwarz tragen; es reicht das simple Experiment: Man lege ein schwarzes und ein weißes T-Shirt in die Sonne, das weiße bleibt kühler. Darum tun uns zu Recht Emos, Pfarrer, strenge Musliminnen und Kanzlerkandidaten leid, wenn sie sich im August in Schwarz hüllen (müssen).


Um Einwände vorwegzunehmen: Ich weiß, das sagt sich so flockig, um das wirklich zu argumentieren, braucht man einen ganzen Werkzeugkasten an Optik und (statistischer) Thermodynamik; und man hat nicht einmal die tröstliche Hoffnung, quasi nebenbei die Quantennatur des Lichts zu entdecken, das hat Max Planck schon 1900 getan...

Schön streiten kann man auch über Schwarze Löcher, die m.E. eben keine schwarzen Löcher sind und daher großgeschrieben gehören. Unsere Chefkorrektorin hat mir das unlängst ausgebessert, worauf ich, der ihre Urteile sonst mit Respekt und Demut erträgt, ein wenig aufgemuckt habe. Worauf sie auf eine noch höhere Autorität, nämlich den Duden verwiesen hat, der tatsächlich die Schreibung „schwarze Löcher“ empfiehlt. Auf papierene Autoritäten ist eben auch kein Verlass mehr.


thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2008)

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