Pannonische Watsche für die OMV

Nach der Verbund-Fusion ist auch der MOL-Kauf gescheitert. Diesmal ist die OMV nicht ganz unschuldig.

Die Strategie macht absolut Sinn: Österreich ist zu klein, um als Markt langfristig auszureichen. Daher expandiert die OMV – wie viele andere heimische Unternehmen – ins Ausland, vornehmlich nach Ost- und Südosteuropa. 2004 schluckte sie die rumänische Petrom. Nun sollte die ungarische MOL, die selbst bereits die slowakische Slovnaft ihr Eigen nennt, übernommen werden. Das Ergebnis wäre ein starker und in Mitteleuropa dominierender Ölkonzern, der sich in einem Bogen von den Alpen bis zum Schwarzen Meer spannt, wie es OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer bei Präsentationen gerne zeigt.

Doch diese Vision ist nun geplatzt. Nicht nur, dass die Ungarn von Anfang an überhaupt keine Freude mit den Avancen aus Wien hatten. Auch in Brüssel stand man dem Unterfangen aus Wettbewerbsgründen skeptisch gegenüber. Die OMV zog nun die Reißleine und nahm das Übernahmeangebot zurück. Damit ist bereits das zweite Mal innerhalb von wenigen Jahren eine Großfusion unter der Beteiligung der OMV geplatzt. Anders als beim 2006 gescheiterten Zusammenschluss mit dem Stromkonzern Verbund – wo es an der heimischen Politik haperte – muss diesmal aber der OMV-Führung ein Gutteil der Schuld gegeben werden.

Dass es heftigen Widerstand aus Budapest geben wird, dürfte die Spitze der OMV ja erwartet haben. Wie aus der Branche zu hören ist, wurde bereits seit längerem versucht, zu einer „freundlichen“ Einigung mit den Ungarn zu kommen. Als dies nicht fruchtete, entschloss sich die OMV im Herbst des Vorjahres, das Ganze „auf die harte Tour“ zu machen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Denn die internationale Wirtschaftswelt ist keine karitative Veranstaltung, sondern knallharter Konkurrenzkampf. Und auch feindliche Übernahmen sind schon oft geglückt. Allerdings dürfte die Vorbereitung der OMV mehr als mangelhaft gewesen sein.

Denn gescheitert ist die ganze Sache ja schlussendlich nicht an der pannonischen Blockadetechnik, sondern an dem Widerstand der EU. Anstatt sich frühzeitig Brüsseler Unterstützung gegen die teilweise haarsträubenden Methoden der Ungarn zu organisieren, hat die OMV sogar die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU nicht im Vorfeld ausreichend abgeklärt. Wenn sich diese wirklich nicht zu einem für die OMV vertretbaren Preis ausräumen lassen, dann hätte man sich den ganzen Aufwand für die versuchte Übernahme ja von vornherein sparen können.


Was für die OMV eine deftige Watsche ist, sieht für die heimischen Verbraucher von Ölprodukten indes ein wenig anders aus. Denn die EU ist ja nicht ein bösartiger Spielverderber, der der OMV grundlose Schwierigkeiten bei der Übernahme macht. Die Kommission störte vor allem die Marktmacht einer zusammengeschlossenen OMV/MOL bei den Raffinerien. In Österreich, Ungarn und der Slowakei wäre daher der Wettbewerb bei Raffinerieprodukten weitgehend zum Erliegen gekommen, so der Vorwurf.

Angesichts der jüngsten Konflikte rund um missbrauchte Marktmacht der OMV bei der Betankung von Flugzeugen der AUA am Flughafen Schwechat und dem ebenfalls nicht gerade vor Wettbewerb strotzenden Tankstellenmarkt, sind die Bedenken der EU mehr als berechtigt. Aus Sicht der Konsumenten ist jegliche weitere Konzentration auf dem Treibstoffsektor skeptisch zu hinterfragen.


Für die OMV bedeutet das Platzen der MOL-Übernahme aber eine kleinere Katastrophe. So macht es sich für den bislang äußerst erfolgreichen Generaldirektor Ruttenstorfer nicht besonders gut, sich bereits zum zweiten Mal bei einer geplanten Fusion eine blutige Nase geholt zu haben. Denn auch wenn der Kapitalmarkt über die Beendigung der Pattstellung zwischen OMV und MOL froh ist, können solche Misserfolge Zweifel der Investoren an der Strategie der OMV hervorrufen.

Noch wesentlich problematischer ist aber, dass es für westliche Ölgesellschaften immer schwieriger wird, Zugriff auf Öl- oder Gasquellen zu erhalten und so aus eigener Kraft zu wachsen. Denn die Staaten mit Rohstoffvorkommen lassen zunehmend nur ihre eigenen nationalen Gesellschaften fördern. Diese drängen dann mit prall gefüllten Taschen gen Westen, um dort Unternehmen zu kaufen. Und auch die internationalen Multis haben Milliarden auf der Kante, die nach Investitionen suchen. Die OMV könnte in so einem Umfeld schnell vom Jäger zum Gejagten werden.

OMV scheitert bei MOL-Übernahme Seite 17

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2008)

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