Natürlich will jeder moderne Autobahnen, Stromleitungen und Flughäfen. Aber nur, solange sie nicht vor der eigenen Haustür sind.
Verschon mein Haus und zünd dafür andre an.“ So lautet das Floriani-Prinzip, mit dem in früherer Zeit die Österreicher Schutz vor Feuer erbeten haben. Die Angst vor dem Feuer ist dank der modernen Feuerwehren zwar zurückgegangen, nun wird dieses Prinzip aber für andere „Bedrohungen“, wie eine Autobahn, eine 380-kV-Leitung oder eine neue Piste für den Flughafen angewandt. Denn wenn es um Infrastrukturbauten geht, dann heißt es hierzulande konsequent: „Ja gerne, aber nicht bei uns.“
Natürlich ist es nicht lustig, wenn man von der Terrasse aus statt ins Grüne auf eine Hochspannungsleitung schauen muss oder unter dem Lärm von vorbeifahrenden Autos leidet. Allerdings will wohl keiner hierzulande darauf verzichten, auf ebendiesen Autobahnen zu fahren. Und beim Strom warnen die Versorger nun sogar vor möglichen Blackouts ohne neue Leitungen. Aufgrund der völlig fehlenden Planung in der Raumordnung und der daraus folgenden zersiedelten Struktur Österreichs gibt es immer irgendwo betroffene Anrainer. Und oft ziehen Menschen sogar in die Nähe bestehender Infrastrukturbauten, wie die Erfahrungen der E-Wirtschaft zeigen.
Die Interessen der Allgemeinheit und der einzelnen Betroffenen müssen daher abgewogen werden. Und bei notwendigen Infrastruktureinrichtungen obsiegt dabei halt oft die Allgemeinheit. Diese Bauten sollten dann auch zeitgerecht errichtet werden können. Und dafür muss – auch wenn es keine Wählerstimmen bringt – die Politik sorgen. (Bericht: S. 20)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2008)