Übernahme: Continental kämpft mit allen Mitteln

(c) AP (Axel Heimken)
  • Drucken

Im Übernahmekampf will Conti das Schaeffler-Banken-Syndikat torpedieren.

Wien (jaz). Der Übernahmekampf zwischen den beiden deutschen Autozulieferern Continental und Schaeffler wird immer heftiger. Um die Übernahme durch Schaeffler zu verhindern, setzt Continental laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ nun auf eine „Zermürbungstaktik“. So versucht der Konzern, möglichst viele Investmentbanken als Berater zu verpflichten, damit diese nicht mehr auf der Seite von Schaeffler in das Geschehen eingreifen können.

Wie die „Presse“ berichtete, setzte Mitte Juli der in Familienbesitz befindliche Wälzlagerhersteller Schaeffler an, das zu tun, was deutsche Medien bislang als den „Coup des Jahres“ bezeichnen. Schaeffler will den sowohl bei Umsatz als auch Mitarbeiterstand rund dreimal so großen Continental-Konzern feindlich übernehmen. Etwas mehr als elf Mrd. Euro wird den Continental-Aktionären seither geboten. Von der Continental-Führung wird das Offert bislang jedoch abgelehnt.

Der „Schaeffler-Trick“

Schaeffler sicherte sich durch einen Trick bereits vor Bekanntgabe des Angebots rund ein Drittel der Continental-Aktien. So kauften das Familienunternehmen und mehrere Banken je 2,99 Prozent an Continental. Damit blieb man unter der gesetzlichen Meldeschwelle von drei Prozent. Auf die Aktienpakete der Banken hat das Unternehmen durch Optionen Zugriff. Schaeffler benötigt die Banken aber auch, um die Übernahme mittels Krediten zu finanzieren.

Hier setzt nun die Abwehrstrategie von Continental ein. Denn die Banken sind bestrebt, noch mehr Geldinstitute in ihr Syndikat aufzunehmen, um die Risiken besser zu verteilen. Zudem dürfte Schaeffler das Angebot noch nachbessern müssen, um trotz der Ablehnung der Continental-Führung die Aktionäre überzeugen zu können. Continental hat nun aber bereits acht internationale Großbanken – darunter die Citigroup, HSBC, Morgan Stanley und BNP Paribas – als Berater engagiert. Diese Banken fallen somit als mögliche Teilnehmer im Schaeffler-Bankensyndikat aus. Für die Banken ist das Ganze ein gutes Geschäft. Denn sie erhalten für diesen „Bereitschaftsdienst“ laut „FTD“ je eine Mio. Euro.

Continental denkt darüber hinaus auch über eine Kapitalerhöhung nach. Deren Zweck wäre aber nicht die Aufnahme neuen Kapitals für Investitionsprojekte – wie das normalerweise der Fall ist. Mit der Kapitalerhöhung könnte Continental aber die Anteile, die sich Schaeffler bereits gesichert hat, verwässern und so eine Übernahme weiter erschweren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.