Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Es ist nicht weit her mit dem Weltfrieden

Iranischer Schwimmer wollte nicht in einem Vorlauf gegen einen israelischen Kollegen antreten.

PEKING (ag./red.). Das Nicht-Antreten des iranischen Schwimmers Mohammad Alirezaei in den Vorläufen sorgte am Wochenende für Verwirrung und Irritation. Offiziell fehlte der Athlet wegen einer Erkrankung, doch der wahre Grund für sein Nichtantreten dürfte die Tatsache gewesen sein, dass der israelische Teilnehmer Tom Beeri in seinem Vorlauf über 100 m Brust ebenfalls vertreten war.

Zunächst hatte nach einer Meldung der iranischen Nachrichten-Agentur ISNA das Nationale Olympische Komitee der Islamischen Republik Iran (INOC) den Start von Alirezaei erlaubt, weil der Iraner auf Bahn eins und der Israeli auf Bahn sieben eingeteilt waren und es sich damit nicht um ein direktes Duell gehandelt hätte, zitierte ISNA einen INOC-Sprecher. Am Ende blieb Alirezaeis Platz aber doch frei. Laut iranischen Angaben war der Sportler erkrankt.


Politaffäre am Beckenrand

Beobachter vermuteten jedoch ein Eingreifen der iranischen Staatsführung. Seit der iranischen Revolution 1979, die zum Sturz der Monarchie und zur Ausrufung der Islamischen Republik geführt hatte, wäre es die erste sportliche Auseinandersetzung zwischen Athleten beider Länder gewesen. Die Islamische Republik Iran anerkennt den Staat Israel nicht und bezeichnet ihn offiziell als „besetztes Palästina“.

Schon in der Vergangenheit hatten iranische Wettkämpfer sportliche Duelle mit Konkurrenten aus Israel verweigert. Während der Olympischen Spiele 2004 weigerte sich die iranische Judo-Medaillenhoffnung Arash Miresmaeili in der ersten Runde gegen den Israeli Ehud Vaks anzutreten. Er wollte mit seinem Boykott „Solidarität mit Palästina“ zum Ausdruck bringen. Miresmaeili, zweifacher Weltmeister, wurde vom IOC gesperrt, vom Iranischen Olympischen Komitee aber er erhielt er 5000 Dollar Prämie und eine Auszeichnung des früheren Präsidenten Mohammad Khatami. Aufregung um dieses Thema hatte es auch im vergangenen Oktober gegeben: Der in Teheran geborene deutsche Fußballer Ashkan Dejagah weigerte sich, für das U21-Nationalteam in Tel Aviv gegen Israel zu spielen. Er hatte seine Haltung damit begründet, seinen im Iran lebenden Angehörigen würden negative Konsequenzen drohen, würde er gegen Israel auflaufen.

Dem Iran drohen nun Konsequenzen seitens des IOC. Sprecherin Giselle Davies meinte, in Hinblicke auf „Respekt und Fairplay“ würde die Sache genau geprüft werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2008)