Der Auftakt-Hit im Basketball zwischen USA und Gastgeber China glich einem Schaulaufen von All-Stars. Die Amerikaner gewannen klar 101:70.
PEKING. Wenn ein schlichtes Basketballspiel die Blicke der gesamten olympischen Familie auf sich zieht, müssen wie beim Vorrunden-Hit China gegen USA wirkliche Stars auf dem Parkett stehen. Seit Barcelona 1992 wartet Amerika mit dem (vermeintlich) besten Personal auf, das in der NBA zu finden. Doch seit dem echten und einzigen „Dream Team“ rund um Michael Jordan, Magic Johnson oder Larry Bird, verlor jede US-Auswahl stets an Glanz und Spielstil.
In Athen 2004 blieb nach Niederlagen gegen Puerto Rico oder Griechenland gar nur Bronze die magere Ausbeute. In Peking soll es anders laufen, geht es nach Kobe Bryant, Dwanye Wade, Lebron James oder Jason Kidd ist Gold das erklärte und einzige Ziel. Der Auftakt erfüllte auch alle Erwartungen, Amerika erwies sich für Gastgeber China als Spielverderber und siegte 101:70 (49:37).
Während weltweit eine Milliarde Menschen vor den TV-Geräten saß und das Spiel schon zur „Super Bowl des Basketballs“ auserkoren wurde, drückten in der 18.000 Besucher fassenden und restlos ausverkauften Gymnasium-Halle auch die beiden Landes-Präsidenten George W. Bush und Hu Jintao ihren Teams die Daumen.
Ming erzielte die ersten Punkte
Die ersten Punkte gehörten aber China: Der Superstar der Mannschaft, 2,29-m-Center Yao Ming, versenkte aus völlig ungewohnter Distanz einen Dreipunkt-Wurf und damit begann das Slam-Dunk-, Dreier- und Wurfspektakel. Begleitet von Raunen, Wow-Schreien, Signalhupen und unheimlich lauten „Yao“-Chören. Jede Aktion wurde auf einem Videowürfel, der in der Mitte der Halle hängt, eingespielt und getreu nach dem NBA-Vorbild sorgten Musik, Cheerleader und lokale Tanzgruppen für Stimmung.
Doch so sehr die Chinesen auch mitzuhalten schienen, es gelang nur deshalb weil Bryant und Co. sich nicht überanstrengten. Und wurde es einmal knapp, wurde eben kurzerhand das Tempo erhöht und die Show reduziert. Dallas-Star Jason Kidd hatte es in einer Pressekonferenz angekündigt: „Wir sind einfach das beste Team bei diesem Turnier und wir werden gewinnen.“
Konzentration galt dem Resultat
Die mutwillige Annahme, die Amerikaner wüssten gar nicht, gegen wen sie da überhaupt spielen würden, war ebenfalls widerlegt. Das US-Team nahm seine Aufgabe tatsächlich ernst.
Nach knapp zwanzig Minuten hatte daher auch das Spektakel an sportlicher Strahlkraft verloren, nicht mehr jeder „Stopfer“ riss die Fans von den Sesseln. Die Konzentration galt trotz vereinzelter Show-Einlagen nur noch dem Resultat. George W. Bush saß zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr auf seinem Sitz. Er hatte das Spiel im vierten Viertel vorzeitig verlassen.
Es gilt allerdings abzuwarten, wie sehr Weltmeister Spanien dem „Redeem“-Team (redeem, zu Deutsch: zurückkaufen, einlösen, tilgen) zusetzen kann. Eines wurde aber trotz der beeindruckenden Darbietung klar: Auch die 2008er-Auswahl kann Jordan und Co. nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Die weiteren Gruppengegner: Deutschland, Angola und Griechenland.
AUF EINEN BLICK
■Prominenz auf dem Parkett und auf den Rängen erlebte die Basketball-Partie zwischen den USA und China.
■Nicht nur drei Präsidenten,
Hu Jintao, George W. Bush und George Bush sen., verfolgten den 101:70-Sieg der US-Amerikaner, auch Chinas Hürden-Olympiasieger von Athen, Liu Xiang, Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und das dänische Kronprinzenpaar Mary und Frederik saßen im Publikum.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2008)