Mit der Silbermedaille strahlt der Salzburger um die Wette. Er bezeichnet sich selbst als ruhig, aber lebendig – und ist trotz des Rummels um seinen Erfolg kein Party-Wolf.
Er stand im USTB- Gymnasium auf dem Siegerpodest und lachte. Als aber Österreichs Fahne gehisst wurde, kullerten die ersten Tränen über seine Wangen. Mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen von Peking ging für den Salzburger Judoka Ludwig Paischer ein Traum in Erfüllung. Endlich stand er diesem Ereignis unter den fünf Ringen im Rampenlicht, vergessen waren mit Ippon, Waza-ari und unzähligen Haltegriffen die Schmach, die er mit der Erstrunden-Niederlage bei Olympia 2004 in Athen zu ertragen hatte. „Aus der Niederlage 2004 in Athen habe ich viel gelernt, heute habe ich es ins Positive umgewandelt“, sagt Österreichs erster Olympia-Medaillengewinner 2008.
Auf der Tribüne jaulte und heulte sein Fan-Klub, der angeführt von seinen Eltern und seiner Freundin Johanna, auch noch viel später im Österreich-Haus für Stimmung sorgen sollte. Dem Vater hatte Paischer, 26, eine Medaille zum 50. Geburtstag versprochen, „mein Bub hat wie immer Wort gehalten“. Was „Lupo“, wie man den HSZ-Sportler in Straßwalchen ruft, eben verspricht, erfüllt er auch. Als aufrichtig ehrlicher Mensch ist es für ihn auch ein Bedürfnis, denen, die ihm stets geholfen haben, etwas zurückzugeben. Die Familie ist sein Rückhalt, sein Ein und Alles.
Von der Mutter inspiriert
Es war seine Mutter, die ihn im Alter von vier Jahren auf die Judo-Matte stellte und damit die Leidenschaft in ihm für den Sport geweckt hatte. Er kannte nichts anderes mehr, als Judo. Und dank der profunden Arbeit mit den Trainern Klaus Peter Stollberg, Gerhard Dorfinger, Bela Riesz, Thomas Wörz (Mental-Coach) und Teamchef Udo Quellmalz setzte der amtierende Europameister, der auch schon WM-Silber und -Bronze gewinnen konnte, in Peking das i-Tüpfelchen auf seine Karriere. „Davon hatte ich immer geträumt, dafür habe ich immer gearbeitet. Endlich habe ich es geschafft. Olympia war mein Traum, mit dieser Medaille habe ich ihn mir erfüllt.“
Ohne die Unterstützung des Bundesheers und seiner Partner aber wäre es nie soweit gekommen. Als siegreicher Judoka könne man in Japan sicherlich gut leben, aber in Mitteleuropa, in Salzburg, nicht. Es bedarf eines sicheren Netzes, um sorgenfrei seiner Tätigkeit nachgehen zu können. Ohne Förderungen kann kein österreichischer Sportler in seinem Tun bestehen. Diese Tatsache aber hat zwei Seiten: Die einen betreiben geförderten Sport, um Erfolg zu haben. Die anderen betreiben Sport, um gefördert zu werden. Mit der Medaille steige nun seine Popularität, die gelte es in bare Münze zu verwandeln. 11.000 Euro vom ÖOC als Prämie sind zwar schön, reichen aber bei weitem nicht für den Lebensabend. Das ist das Los österreichischer Medaillengewinner.
Paischer wirkt zwar so, als wäre er ein Sonnyboy, doch in ihm steckt mittlerweile ein ruhiger Athlet. Ein Mann, der es versteht, Geduldig zu warten und sich seiner Ziele und Aufgaben zu besinnen. Der 1,70 m große Salzburger sah sich zwar noch als „Rauffer“, auch den Begriff des „Pyjama-Kämpfers“ verabscheut er. Dafür sagt er, dass er ein Energiebündel sei, mit nicht enden wollenden Kraftreserven und dem unstillbaren Verlangen nach Erfolg.
Er steht zwar allein auf der Matte, denkt aber als Team-Player, der seiner Mannschaft die Daumen drückt und mit seinem Silber eine Initialzündung gelegt haben zu glaubt. „Es ist mein Umfeld, das mich stark macht. Meine Mitmenschen haben mich in den letzten Jahren immer unterstützt und in schlechten Phasen wieder aufgebaut, meine ganze Karriere gehört ihnen. Also ist es nur recht, wenn ich jetzt auch für sie da bin.“
Alles nur kein Tourist
Die Bilder im Österreich-Haus zeigten, dass es Ludwig Paischer mit seinen Worten ernst meint. Er feierte mit seiner Familie, bekam von seiner Johanna („Sie hat mich viel ruhiger gemacht“) ein Busserl und versprach artig wie ein Schulbub, sowohl Claudia Heill als auch Sabrina Filzmoser die Daumen zu drücken. Mehr noch, am Montag wird er wieder seinen Anzug überstreifen und mit Trainingspartnerin Filzmoser aufwärmen. Selbst nach der Erfüllung seiner Mission bleibt sich Paischer also treu: Er will kein Tourist sein.
ZUR PERSON
■Ludwig Paischer (* 28. 9. 1981in Oberndorf)
Größe/Gewicht: 1,70 m/60 kg
Trainer: Udo Quellmalz, Gerhard Dorfinger
■Größte Erfolge: Olympia-Silber 2008, WM-Silber 2005, WM-Bronze 2007, EM-Gold 2008, 2004, EM-Silber 2005, EM-Bronze 2006, 2003
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2008)