China: Bombenanschläge erschüttern Xinjiang

(c) Reuters (Xinhua)
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Bei einer Serie von Explosionen kamen am Sonntag im Westen des Landes acht Menschen ums Leben. In Peking herrscht Sicherheitsalarm, nachdem ein US-Tourist von einem offenbar Geisteskranken ermordet wurde.

Peking. Eine Reihe von Attentaten hat am Wochenende die Olympischen Spiele überschattet. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage griffen offenbar uigurische Terroristen im Westen des Landes eine Polizeistation an. In der Hauptstadt selbst wurden die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft, nachdem ein wahrscheinlich verwirrter Mann am Samstag amerikanische Touristen niedergestochen und sich dann selbst getötet hatte.

In Kucha, rund 4000 Kilometer entfernt von Peking, starben am Sonntag acht Menschen nach einer Serien von Bombenexplosionen und in Feuergefechten. Ein mit Sprengstoff beladenes Lieferauto war in den Hof einer Polizeistation gefahren, wo es explodierte. Ein Wachmann starb, zwei Polizisten und zwei Zivilpersonen wurden verletzt. Beamte erschossen einen Täter und nahmen einen weiteren gefangen, während ein dritter Selbstmord beging. Doch das war erst der Anfang: Wenige Stunden später fanden Polizisten weitere fünf Bombenleger, die sich unter einem Marktstand versteckt hatten. Die Beamten erschossen zwei von ihnen, die drei anderen sprengten sich selbst in die Luft, schilderte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Armee riegelte Stadt ab

Insgesamt hätten die Täter an zwölf Stellen der Stadt Bomben entzündet, die aus Rohren, Gaskanistern und Flüssiggas-Tanks gebaut worden seien. Die Angriffe richteten sich gegen die Regierung der 400.000-Einwohner-Stadt und ein Wirtschaftsförderungsbüro. Die Armee hat Kucha inzwischen abgeriegelt. Regierungsfunktionäre machten muslimische Separatisten für die Attentate verantwortlich, die einen eigenen islamischen Staat Ost-Turkestan anstrebten. Einige hundert Kilometer von Kucha entfernt, in der Stadt Kashgar, hatten zwei Männer am vergangenen Montag 16 Polizisten umgebracht. Das Verhältnis zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen ist gespannt. Je schärfer die Behörden die einheimische Bevölkerung zu kontrollieren versuchen, umso mehr Zulauf finden derzeit offenbar militante Gruppen. Eine offene Debatte über Probleme und Fehler der Pekinger Politik gegenüber den ethnischen Minderheiten ist in China nicht erlaubt.

So sind auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking am Sonntag erneut fünf ausländische Demonstranten festgenommen worden. Die Gruppe „Students for a Free Tibet“ (Studenten für ein freies Tibet) zeigte die tibetische Flagge, während drei weitere Demonstranten aus den USA und Kanada versuchten, ein Transparent mit der Aufschrift „Die Tibeter sterben für die Freiheit“ zu entrollen. Die Polizei nahm die Aktivisten fünf Minuten nach Beginn der Aktion fest.

Nach einem tragischen Zwischenfall in Peking forderten die Behörden die Bevölkerung auf, noch wachsamer als bisher zu sein. Ein US-Ehepaar aus Lakeville, Minnesota, war in der Nacht auf Sonntag Opfer eines offenbar Geisteskranken geworden. Das Unglück ereignete sich während einer Sightseeing-Tour auf dem Trommelturm. Der Angreifer (47) stach auf seine beiden Opfer und deren Touristenführer ein und stürzte sich danach in die Tiefe. Während für Todd Bachmann jede Hilfe zu spät kam, retteten Ärzte im Olympia-Spital in einer achtstündigen Operation das Leben seiner Frau. Der Stadtführer war am Sonntag außer Lebensgefahr.

Olympia-Familie unter Schock

Dieser Anschlag versetzte auch der Olympia-Familie einen schweren Schock. Bei den Opfern handelt es sich um die Schwiegereltern des Trainers des US-Volleyball-Teams. Es sei die Tat eines Einzeltäters, dem, so sind die Organisatoren der Spiele bemüht zu erklären, keine Verbindungen zu einem Terror-Netzwerk nachzuweisen sei.

AUF EINEN BLICK: Attentat auf Besucher

Der US-Tourist Todd Bachmann (re.) und seine Frau Barbara – die Schwiegereltern des Trainers des US-Volleyballteams – und deren Stadtführer wurden am Samstag Opfer einer Messerattacke, während sie den Trommelturm in Peking besichtigten. Bachmann starb, seine Frau konnte gerettet werden. [AP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2008)

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