Was ist eigentlich Salzburgs Ziel?

Die gute Nachricht aus Salzburg? Musikchef Hinterhäusers Rechnung, Musik des 20. Jahrhunderts konsequent ins Repertoire einzubinden, geht auf.

Wenn die Philharmoniker im Verein mit ersten Interpreten endlich auch Bartóks Erstes Klavierkonzert auf höchstem Niveau musizieren, wenn Michael Schade mit Solisten seines „Young Singers Project“ und jungen Kolleginnen vom Schlage der wunderbar konzentrierten Michaela Selinger Janáceks „Tagebuch eines Verschollenen“ interpretiert – dann haben „Eroica“ und „Winterreise“ jüngere Gegenstücke gefunden. Spitzenwerke der musikalischen Moderne können in den Kanon integriert werden, wenn die Creme der internationalen Interpreten sich ihrer annimmt.

Herrscht auf dem Opernsektor in punkto Aufführungsqualität jedoch nur noch bei Produktionen zeitgenössischer Musiktheaterwerke Einigkeit, stimmt das bedenklich. Sciarrinos „Luci mie traditrici“ war, da schienen die Kommentatoren einig, die einzige bisher rundum gelungene Opernaufführung dieses Sommers. Im übrigen herrscht beim teuersten Opernspektakel oft das Mittelmaß, vor allem im vokalen Bereich. Bei „Don Giovanni“ waren Schwachstellen, bei „Otello“ sogar eklatante Fehlbesetzungen zu verzeichnen. Im Falle von „Romeo und Julia“, für Anna Netrebko angesetzt, kam mit Mühe Einigkeit zustande, dass die Einspringerin zwar nicht die „neue Netrebko“ aber eine gute Sopranistin sei.

Bezahlt man Höchstpreise für diese Erkenntnis? Ist es Aufgabe der Festspiele, alle paar Jahre ein Opernsternchen zu hypen, wie das auf Neudeutsch so schön heißt? Erwartet man für Eintrittspreise um die 300 bis 400 Euro pro Ticket nicht Qualitätssicherung wie zu Karajans Zeiten? Auch die Einbindung der Avantgarde funktioniert schließlich nur bei garantierter Spitzenqualität. Alles andere gehört ins Experimentierfeld, gewiss nicht in den Festspielbezirk. Sieht man nun, dass auch szenisch Kraut-und-Rüben-Ästhetik fern jeglicher erkennbarer Dramaturgie herrscht, blickt man auf die Premierenplanung für 2009, wo vom heurigen Dirigenten-Hoch mit Welser-Möst, de Billy und Muti so gut wie nichts bleibt (lediglich Muti soll Rossini dirigieren), bleibt nur zu hoffen, dass Musikfreunde unter dem Motto „trotzdem“ nach Salzburg kommen.


wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.