Olympia 2008: Rogan nach Platz neun ratlos

Markus Rogan
Markus Rogan(c) GEPA (Philipp Schalber)
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Österreichs Paradeschwimmer verpasste das Finale über 100 m Rücken knapp. Die Konkurrenz hat aufgeholt und ist größer geworden. Rogan sucht nach seinem „Speed“.

PEKING. Sein Blick ist leer, oft dreht er sein Gesicht von der wartenden Reporter-Horde im Aquatic-Center weg und hält den Atem an. Markus Rogan, Österreichs Paradeschwimmer, wirkt nach seinem Out über 100 m Rücken ratlos. Er hat im Olympiabecken alles probiert, jedoch fehlte ihm das dringend benötigte Tempo. 53,80 Sekunden (Platz 9, nur acht im Finale) ist keine schlechte Zeit, aber 2008 nicht mehr gut genug, um im Olympia-Finale zu schwimmen. Rogan schnauft, der Traum, wie in Athen zwei Medaillen zu erobern, ist geplatzt. Nun bleibt ihm nur die Hoffnung auf Besserung über 200 m Rücken und das Debüt in der 4 x 200 m-Kraulstaffel mit Dominik Koll, Christoph Brandl und Florian Janistyn.

Hoffen auf 200-Meter-Bewerb

Während Amerikaner, Australier oder Briten ihre Teams und Sportler anfeuern, ist kein einziger „Markus“-Ruf oder „Go-Rogan-Go“-Aufschrei in der Halle zu hören. Selbst der sonst so eloquente ÖSV-Funktionär Paul Schauer bleibt an diesem Tag ruhig. Nur einmal springt er triumphierend von seinem Sessel. Da hat Mirna Jukic als Semifinal-Dritte über 100 m Brust angeschlagen und ihr Finalticket mitsamt berechtigter Hoffnung auf Edelmetall verbucht.

Da war die Welt für Markus Rogan noch so, wie er sie kannte. Wenig später, genauer gesagt nach zwei Längen im Olympiabecken, ist er wortkarg und bleich. „Es waren zwar nur die 100 Meter“, sucht Rogan nach Antworten, die er sich aber nicht geben kann, weil ihn der „Speed“ der Konkurrenz über diese Strecke mehr überrascht hat, als er wirklich zugeben will. Der Rest der Welt, sagt er dennoch, habe sich schneller weiterentwickelt, als er dachte.

Egal, ob sie jetzt Stoeckel (Aus), Grevers (USA) oder Peirsol (USA) heißen – acht Schwimmer waren insgesamt schneller als er. Rogan jedoch stoppt etwas, und es ist nicht so sehr das Manko der Bahn 1 an seinem verpassten Finale schuld, es liegt nur an ihm selbst. Er scheint sich unwohl zu fühlen, und es klingt nach Verzweiflung, wenn er davon spricht, es versucht, aber nicht geschafft zu haben. So kennt man ihn eben nicht. In diesem Augenblick ist nichts mehr von der Unbekümmertheit zu spüren, die er sonst mit unheimlicher Leichtigkeit ausstrahlt. Vielleicht hat der Wahl-Römer zu viel (mit Italiens Team) trainiert, vielleicht ist sein Körper ausgelaugt? Auch Italiens Schwimmer sind bei den Spielen ins Hintertreffen (0 Medaillen) geraten. Rogan: „Ich kann keine Höchstgeschwindigkeit mehr erreichen. Ich spüre, dass mir meine Bewegungen nicht den nötigen Schub verpassen.“Das wahre Dilemma, das gibt der 26-jährige Wiener zu, sei in der Tatsache begründet, dass alle Leistungen der Mitstreiter auch nahtlos auf die 200 m Distanz zu transferieren seien. Wenn Markus Rogan so etwas sagt, klingt es so, als wolle er Demut walten lassen ohne seine eigenen Stärken zu früh preisgeben zu wollen. Die Sache hat nur einen, aber hinterhältigen Haken: Er hat nur auf zwei Rückenstrecken Chancen und eine hat er bereits vergeben. Dem nicht genug: „Ich muss erst über 200 m schwimmen, um zu wissen, was mir fehlt.“ Der Rückstand hatte sich angekündigt wie ein unerwünschter, aber nicht zu verhindernder Besuch der bösen Schwiegermutter.

Der Kick fehlte

Nach dem Vorlauf in schwachen 55,22 Sekunden hat er davon gesprochen, dass er sich „mehr konzentrieren müsste, weil er die Sache nicht ernst genommen“ habe. Auch sein Verlangen nach einem „Kick“, stimmte da schon stutzig, immerhin handelt es sich doch um Olympia, aber die Bedenken hielten sich angesichts vergangener Erlebnisse wie bei der (Kurzbahn)WM in Manchester (Gold nach Flop) – in Grenzen. Die vier Hundertstel, die ihm nun letztlich zum Finaleinzug fehlen, hat er „im Kopf“ verloren...

Es bleibt abzuwarten, ob sich Markus Rogan am Freitag im Finale über 200 m Rücken eine Medaille sichern kann. Sonst geht derjenige, der Österreichs Schwimmsport wichtige Impulse gegeben hat und 2004 in Athen als „Silberfisch“ gefeiert wurde, 2008 leer aus.

AUF EINEN BLICK

Markus Rogan wirkte nach der verpassten Final-Qualifikation über 100 m Rücken ratlos. Der Traum, wie schon bei Olympia in Athen zwei Medaillen zu erobern, ist damit geplatzt.

Der Wiener muss sich nun ganz auf den 200-m-Rücken-Bewerb und das Debüt in der 4 x 200-m-
Kraulstaffel mit Dominik Koll, Christoph Brandl und Florian Janistyn konzentrieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2008)

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