Ein Gott am Klavier.
„Sie sind ein Genie“, soll der russische Pianist Vladimir Sofronitsky zu Svjatoslaw Richter gesagt haben. „Und Sie“, entgegnete Richter, „sind ein Gott!“ Für kaum einen anderen Kollegen empfanden die Klaviervirtuosen der sowjetischen Zeit mehr Verehrung als für den 1901 geborenen Sofronitsky, der als Schwiegersohn Alexander Skrjabins zu dessen herausragendem Propheten wurde, aber auch Repertoire zwischen Wiener Klassik und russischer Moderne mit jener für Skrjabin typischen, nervösen, psychologisch aufgeputschten Brillanz interpretierte.
Auf dem Label Brillant ist nun eine technisch – so gut es ging – revitalisierte Auswahl von Sofronitsky-Mitschnitten erschienen, 12 Stunden hochexpressiven Klavierspiels, nebst Russischem auch fragil-sensitive Chopin-Wiedergaben, Liszt, Beethoven und aufschlussreiche, weil blühend romantische Schubert- und Schumann-Interpretationen.