Teures Chaos bei den ÖBB

Mit Glück kommt die Bahn bei ihren Finanzgeschäften mit einem blauen Auge davon. Der nächste Wahnsinn ist nur eine Frage der Zeit.

Die Juristen der ÖBB haben lange gesucht und nun anscheinend etwas gefunden. Dank eines etwas eigenartigen Passus in dem 400 Seiten dicken Vertrag zwischen Bahn und Deutscher Bank könnten der Vertrag und somit das Millionen-Verlustgeschäft der Bahn zu Fall gebracht werden. Aus Sicht der heimischen Steuerzahler ist es wünschenswert, dass sich die Bahn vor Gericht durchsetzt. Aber auch wenn die Eisenbahner mit einem blauen Auge davonkommen, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der nächste Skandal ans Tageslicht kommt.

Denn vor den dilettantisch verhandelten Finanztransaktionen waren es die Iran-Geschäfte, bei denen ein Mitarbeiter Teheran den Bau einer S-Bahn schriftlich versprach. Dieser hätte ein Risiko in Millionenhöhe mit sich gebracht. Oder der Kauf eines 3,5 Millionen Euro teuren Bahn-Scanners, für den man nicht wusste, wo man ihn eigentlich aufstellen soll. Die Mischung ist jedesmal dieselbe: Inkompetenz und ein verschwenderischer Umgang mit Steuergeldern gepaart mit fehlender Kontrolle. Dazu noch ein Schuss politischer Filz, und fertig ist der Nährboden für Wahnsinnsaktionen.

Die ÖBB-Führung hat die Pflicht, bei der Bahn klare Zuständigkeiten und eine transparente Fehlerkultur einzuführen. Nur so wird sich die Bahn irgendwann ausschließlich mit ihrer eigentlichen Aufgabe beschäftigen können: Personen und Waren transportieren. (Bericht: S. 23)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2008)

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