„Schonfrist“ für Aktien von US-Banken vorbei

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Bestimmte Spekulations-Geschäfte mit Aktien großer US-Banken waren von der Börsenaufsicht SEC im Juli befristet verboten worden. Jetzt ist das Verbot ungedeckter Leerverkäufe ausgelaufen.

New York (Bloomberg). Gestern, Mittwoch, ist das von der US-Börsenaufsicht SEC für insgesamt 19 Unternehmen des Finanzsektors verhängte Verbot ungedeckter Leerverkäufe („Short Selling“) ausgelaufen. Analysten gehen davon aus, dass die Kurserholung vieler Titel, darunter Bank of America und Morgan Stanley, damit beendet ist.

Verhängt worden war das Verbot Mitte Juli, um die massiven Kursturbulenzen im Zuge der Finanzmarktkrise einzudämmen. Die Aktien der US-Banken waren damals auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 1996 gefallen. Ende Juli wurde das Verbot der ungedeckten Leerverkäufe bis Mitte August verlängert.

Kurserholung könnte beendet sein

„Normale“ Leerverkäufer leihen sich gegen Gebühr Aktien anderer Marktteilnehmer, die sie als überbewertet ansehen. Sie verkaufen sie in der Hoffnung, einen Profit zu machen, wenn der Kurs fällt. Bei ungedeckten Leerverkäufen fällt dagegen die Aktienleihe weg. Deshalb kann dabei ein spekulativer Anleger – beispielsweise ein Hedgefonds – fast unbegrenzt Verkaufsorders aufgeben und so den Kurs eines Titel drücken. Diese Praxis ermöglicht nach Ansicht von Kritikern Kursmanipulationen und könnte zum Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns im März dieses Jahres beigetragen haben. Auch die Aktien von Lehman Brothers waren damals schwer unter Druck gekommen.

Seit Verhängung des Verbots am 15. Juli waren die Kurse der geschützten US-Geldinstitute – neben den Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac waren dies unter anderem Lehman Brothers, Goldman Sachs und Merrill Lynch – um 17 Prozent gestiegen. Nun dürfen Investoren die Aktien der großen US-Banken wieder leer verkaufen, ohne sie sich vorher zu leihen.

Mit dem Wegfall des staatlichen Schutzes sind die Finanzinstitute nun wieder mit den Investoren und der weiter schwelenden Finanzkrise allein. Analysten wie Meredith Whitey von Oppenheimer & Co. und Mike Mayo von der Deutschen Bank senkten diese Woche ihre Gewinnschätzungen für US-Banken und prognostizierten weitere Abschreibungen bei Hypothekenanleihen. Die Finanzbranche wird derzeit von allen Branchen der US-Wirtschaft am pessimistischsten beurteilt.

AUF EINEN BLICK

Bestimmte Spekulationsgeschäfte mit Aktien großer US-Banken waren von der Börsenaufsicht SEC im Juli befristet verboten worden. Jetzt ist das Verbot ungedeckter Leerverkäufe ausgelaufen. Die zuletzt stark gestiegenen US-Bankaktien könnten deshalb erneut unter Druck kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2008)

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