Usain Bolt: Der schnellste Mann der Welt

(c) AP (Alastair Grant)
  • Drucken

Usain Bolt drückte den 100-m-Weltrekord auf 9,72 Sekunden. Der Jamaikaner erzählt über Form, Lust, Idole, seine Heimat, Peking und seine Vorliebe zu langen Parties.

Die Presse: Sie galten lange als Spezialist für die 200 Meter-Distanz, mit den 9,72 Sekunden aber stießen Sie in neue Dimensionen vor. Wie geht man als Sportler damit um?

Usain Bolt: Ich habe immer an mich geglaubt, ich habe gewusst, dass ich sehr schnell laufen kann. Es hat einfach geklappt. Jetzt schauen zwar alle auf mich, aber das kann sich ja schnell wieder ändern. Tyson Gay ist ja 9,68 Sekunden gelaufen, aber da war der Rückenwind viel zu stark. Es kann schnell wieder ganz anders sein. Und er hat gezeigt, dass man also noch schneller laufen kann.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie wirklich schnell laufen können?

Bolt: Ich habe immer gerne Cricket oder Basketball gespielt, mit neun Jahren habe ich als Leichtathlet angefangen. Da haben alle gleich gesagt: He, der ist aber schnell. Mit 15 wurde ich es dann wirklich. Seitdem widme ich mich dem Tempo jeden Tag im Training.

Sport genießt in Jamaika große Bedeutung, wie waren die Reaktion in ihrer Heimatstadt Kingston nach dem Rekord?

Bolt: Unfassbar waren die! Die Menschen liefen auf die Straßen, da gab es eine große Party. Jeder schrie, freute sich für mich – mit einem Schlag kannte mich endgültig jeder.

Waren Sie nicht schon aufgrund Ihrer ausgelassenen Parties ohnedies stadtbekannt? Ihre Tante Lilly hat ja sogar eine eigene Bar...

Bolt: Ich gehe gerne mit Freunden aus, da wird es schon mal bisschen wirklich spät. Doch ich trinke nie viel, ich tanze lieber. Ich liebe die Musik, den Rhythmus. Aber zuletzt konzentrierte ich mich wirklich mehr auf den Sport, ich habe mich dem Laufen verschrieben. Ich nehme es ernst.


Viele Jamaikaner laufen, um so nach Amerika, den Universitäten und zu großen Verträgen zu gelangen. Sie bleiben aber partout in der Heimat, warum?

Bolt: Ich hatte auch einige Angebote, Universitäten lockten mit Stipendien. Aber das will ich nicht, ich bekomme sehr leicht Heimweh, wirklich! Außerdem steh' ich einfach nicht auf kaltes Wetter.

Mit 1,96 m sind Sie für einen Sprinter sehr groß. Macht das keine Probleme, trainieren Sie anders?

Bolt: Mein Trainer und ich machen doch nur unsere Sachen, zuletzt haben wir aber schon sehr stark an meinen Starts gefeilt. Die sind jetzt besser, die Motorik stimmt. Ich musste die ersten Schritte einfach besser setzen.


Warum gibt es so viele gute Sprinter aus der Karibik? Sie, Asafa Powell, Kim Collins (St. Kitts & Navis)? Und warum hat noch nie einer Olympia-Gold über 100 m gewonnen?

Bolt: Das ist eine gute Frage, aber Leichtathletik genießt eben sehr großen Stellenwert bei uns. Jamaikaner bleiben eben immer cool, wir laufen schnell, wir wollen Erfolg. Gold ist immer mein Ziel. Aber über die 200 Meter eher, denn denen habe ich mich ja seit Jahren gewidmet.

Diese 200-m-Liebe, lebt die von den Läufen eines Michael Johnson?

Bolt: Ja, er war mein Idol. Er war der größte Sprinter aller Zeiten. Seine 19,32 Sekunden sind der Hammer! In Athen bin ich ihm heuer schon nahe (19,67 Anm.) gekommen. Aber verstehen Sie das nicht als Ankündigung, dass ich den Rekord bei den Spielen in Peking brechen werde. Probieren werde ich es, aber ob es gelingt? Let's see...

Die Fabelzeiten von früher und auch einige Läufer von heute werden von der Doping-Angst begleitet. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Bolt: Ich sage es gleich: ich bin clean! Es kann eines Tages den komplett sauberen Sport geben, warum nicht. Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr auf den Bahnen dieser Welt unterwegs, ich war immer clean. Ich will es immer zeigen, ich möchte ein Vorbild sein.

Wie gut verstehen Sie sich mit Ihrem Landsmann Asafa Powell. Sind Sie beide eher Konkurrenten oder eher Freude? Wie sehr inspirieren Sie sich gegenseitig?

Bolt: Asafa ist ein cooler Typ, ich mag ihn. Er hatte mich nach dem Weltrekord sofort angerufen und mir gratuliert. Wir unterhalten uns oft, wir sind gute Freude. Auf der Laufbahn aber ist alles anders, da zählt nur noch das Rennen.

Wie sehr hat es Sie genervt, „offiziell“ nicht zu sagen oder zu wissen, ob Sie die prestigeträchtigen 100 Meter in Peking laufen?

Bolt: Es war uns ist immer eine Entscheidung meines Coaches Glen Mills. Ich habe damit kein Problem. Entweder er sagt ,Du läufst!‘ oder ,Du läufst nicht!'. Ich bin weder enttäuscht noch böse. Hauptsache, ich gewinne Gold im 200-m-Rennen.

DIE MUTTER ALLER SPORTARTEN

Leichtathletik-Bewerbe
Ab Freitag wird im „Vogelnest“-Stadion in der Leichtathletik, die im Vorfeld der Spiele neuerlich von Doping-Negativschlagzeilen gebeutelt wurde, zehn Tage um Medaillen gekämpft.

Duelle der Sprint-GroßmächteUSA und Jamaika, der enorme Druck auf Chinas Hürden-Star Liu Xiang und mögliche Weltrekorde, etwa über die 100 m der Herren durch Rekordhalter Usain Bolt, Asafa Powell oder Tyson Gay, Stabhochsprung-Dominatorin Jelena Isinbajewa, sowie Hochsprung-Ass Blanka Vlasic stehen bei den olympischen Leichtathletik-Bewerbe im Fokus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.