Markus Rogan und Mirna Jukic mussten sich mit vierten Plätzen in ihren Paradedisziplinen begnügen. Rogan ging damit bei seinen vermutlich letzten Spielen leer aus.
PEKING. Es gibt tatsächlich undankbare Platzierungen im Spitzensport. Den ersten drei Athleten winken Medaillen, dem vierten bleiben außer Frust und Zorn bei einer Großveranstaltung wie Olympischen Spielen nichts. Doch weder Mirna Jukic (200 Meter Brust) noch Markus Rogan (200Meter Rücken), die jeweils auf Platz vier gelandet waren, wollten ganz offen von Enttäuschungen sprechen. Sie gaben ihr Bestes, doch es sollte einfach nicht sein. Rogan ging damit nach zweimal Silber in Athen 2004 leer aus, Jukic gewann überraschend Bronze über 100 Meter Brust.
Mirna Jukic war es auch, die diese Situation am treffendsten in Worte fassen konnte. „Wieso soll ich enttäuscht sein, Blödsinn! Ich wäre nur dann enttäuscht, wenn ich es nicht probiert und alles für eine Medaille getan hätte.“
Während sich Sara Nordenstam ob Norwegens erster Schwimm-Medaille (Bronze, 0,22 Sekunden vor Jukic) an König Haralds Schulter ausweinte, beschloss Jukic, Olympia 2008 mit einem „Smiley“ abzuschließen. Das wäre besser, sinnvoller und auch berechtigt nach dem Gewinn einer Medaille, meinte sie. Ob es ihre letzten Spiele waren? Sie schwieg sich aus, sagte nur, es „noch nicht“ zu wissen. Ein echter „Schwimm-Insider“ rechnet damit, dass sie sich nach der Kurzbahn-EM in Rijeka Gedanken machen und zum Weitermachen entscheiden wird. Dass sie also noch einmal unter den fünf Ringen auftaucht, ist nicht ausgeschlossen.
Sprachlos über die Konkurrenz
Seinen Olympia-Abschied hatte Markus Rogan hingegen schon vor den Spielen in China angekündigt, nach der WM 2009 in Rom wolle er seinem Sport endgültig den Rücken kehren. Nachdem er nun sowohl über 100 als auch 200 Meter Rücken leer ausging und die Stärke seiner Konkurrenten verwundert akzeptieren musste, verließ er schnurstracks das Aquatics Center.
Nach Platz vier über 200 Meter Rücken war Markus Rogan erneut „sprachlos“. Er schien leer, leise und geknickt, suchte geradezu verzweifelt nach Antworten. Der Russe Arkady Wjatschanin hatte ihn um 0,56 Sekunden vom Podest verdrängt, obgleich er doch die „beste Zeit meines Lebens“ geschwommen war in 1:55,49 Minuten. Auch der Kick, den er vermisst hatte, wäre wieder da gewesen. Auch hätten Taktik und Tempo gestimmt. Der österreichische Rekord reichte aber nicht, und das stimmt ihn, den Erfolgsmenschen, mehr als nachdenklich. „Ich wollte doch nur mein Rennen schwimmen, das bin ich auch, aber andere waren noch schneller...“
Als hinterher schwimmender „Pensionist“ werde er nirgends dabei sein, 2012 schon gar nicht. „Jetzt schau' ich mir einmal in aller Ruhe Peking an, und dann schauen wir weiter.“
Endet, wenn das Zugpferd dieser Disziplin abdankt, auch Österreichs Erfolgsserie im Schwimmen? Mirna Jukic ist vermutlich in den kommenden Jahren nicht in der Lage, alleine in Österreich das Aushängeschild zu mimen.
Hoffen auf das Glück
Mit dieser Frage konfrontiert, riss OSV-Präsident Paul Schauer die Augen sofort weit auf. Und er verneinte. Jede andere Reaktion wäre auch nicht von ihm zu erwarten gewesen. Bei Olympia gehe es primär um Medaillen, meinte der Verbandschef, dennoch sollte man nicht alles gleich aus der „Worst case“-Sicht betrachten. Es gehe immerhin um den Gesamtauftritt der größten OSV-Mannschaft aller Zeiten (17) und einzelne Leistungen, die ihm enorme Zuversicht geben, dass Österreich auch in Hinkunft „vorn dabei sein“ werde mit konkurrenzfähigen Athleten. Dennoch sagt er: „Ich hoffe, das Glück verlässt Österreichs Schwimmsport nicht. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass Mirna und Markus wirklich nicht mehr bei Olympia schwimmen!“
Dinko Jukic als Zugpferd
Wenn Paul Schauer aber davon spricht, dass London 2012 die Stunde des Dinko Jukic schlagen wird, hängt alles wieder nur an einer Person und nicht am gesamten System, das der Verband aufzubauen versucht. In Graz werde ein Leistungszentrum errichtet, in Wien laufen Gespräche, damit eine Akademie unter der Leitung von Cheftrainer Zeljko Jukic entstehen kann.
In Linz reife eine Spitzensport-Gruppe rund um Trainer Helge Gödecke heran, und auch in der Südstadt, in Salzburg und in Innsbruck werde gearbeitet respektive die Arbeit intensiviert. Nur ein zweiter Markus Rogan ist vorerst nicht in Sicht. „Wir haben Top-Ten-Plätze, einmal Bronze gewonnen, wurden zweimal Vierte und die Staffel wurde Neunte. Die Entwicklung stimmt mich positiv.“ Alles andere sei angesichts zweier Rückschläge nur Schwarzmalerei...
AUF EINEN BLICK
■Markus Rogan und Mirna Jukic gewannen auf der olympischen Langbahn zweimal Olympiasilber (Rogan), einmal Olympiabronze (Jukic), zweimal WM-Silber (Rogan), je einmal WM-Bronze, sechsmal EM-Gold (4xRogan, 2xJukic), siebenmal EM-Silber (5 bzw. 2) und je einmal EM-Bronze.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2008)