Porträt. Bei der Maturafrage fing es an: Jetzt leitet Robert Stein die Wahlabteilung.
Wien. Wer sich über die Wahl informieren will, muss selbst wählen: und zwar die Nummer von Robert Stein. Dieser arbeitet als Leiter der Wahlabteilung im Innenministerium und ist im Vorfeld des Urnengangs am 28. September ein gefragter Mann. Journalisten, Parteienvertreter aber auch interessierte Bürger rufen Stein an.
„Wie kann ich kandidieren?“, sei etwa eine häufig gestellte Frage, erzählt Stein. Dabei werde von den Bürgern oft unterschätzt, wie schwer es ist, die nötigen Unterstützungserklärungen zu bekommen. Stein selbst hat sich freilich schon als Jugendlicher richtig eingeschätzt. Bei der Matura suchte er sich eine Schwerpunktfrage zum Thema Nationalratswahlordnung aus. Es folgte ein Jus-Studium, 1985 begann Stein im Innenministerium zu arbeiten. Zunächst in der Zivildienst-Legistik, seit 1990 in der Wahlabteilung. Vor vier Jahren wurde Stein schließlich Chef der Abteilung. „Das war mein Traum“, sagt der Jurist.
Wenn man seinen Traumjob ausüben kann, dann fällt einem auch das freundliche Beantworten von noch so kuriosen Fragen nicht schwer. Kann man etwa auch mit einem Halbmond statt mit einem Kreuz wählen? Ja, das gehe auf jeden Fall, antwortet Stein sachlich. Wichtig sei nur, dass der Kreis am Wahlzettel angezeichnet wurde.
„Bin SPÖ-Urgestein“
In der Praxis stelle sich das Problem der Gültigkeit eines Stimmzettels ohnedies eher selten, sagt der Experte. Probleme gebe es nur bei Leuten, die unabsichtlich die falsche Partei markieren und das mit anderen Beschriftungen auf dem Wahlzettel wieder gut machen wollen. Da rät er: Wenn der Kugelschreiber „auskommt“, sollte man von den Wahlbeisitzern gleich einen neuen Zettel verlangen.
Doch im Leben des Robert Stein gibt es mehr als nur Wahlzettel: Der ledige Jurist – er ist Vater einer 17-jährigen Tochter – gilt als Computerfreak. Und wer Stein einmal mit einer Kamera in der Hand gesehen hat, weiß, dass er dabei ganz in seinem Element ist. Überdies betreibt der humorvolle 50-Jährige Volkstanz und besitzt eine Zweitwohnung am Timmendorfer Strand an der norddeutschen Ostsee. Er bezeichnet sich selbst als „großen Freund des Meeres“ und ist auch in skandinavischen Gewässern gerne mit seinem Motorboot unterwegs.
In welchen politischen Gewässern sich Stein wohl fühlt, ist auch kein Geheimnis. „Ich bin sozialdemokratisches Urgestein“, sagt Stein. Er kommt aus einer SPÖ-Familie und fungiert – obwohl in Favoriten zu Hause – in der Bezirksvertretung von Wien-Währing als Klubobmann seiner Fraktion. Und eine bundespolitische Aufgabe hätte ihn nie gereizt? Das sei mit seinem Beruf als Leiter der Wahlabteilung nicht vereinbar, meint Stein. Und er sei im Beruf mit seinem eingespielten Team „derart glücklich“, dass er dafür gerne auf ein bundespolitisches Engagement verzichtet. In seiner Tätigkeit im Ministerium habe er übrigens einen guten Draht zu allen Parlamentsklubs, versichert Stein. Vielleicht mit ein Grund, warum er auch unter schwarzer Regentschaft im Ministerium Karriere machte. Allerdings geriet Stein vor zwei Jahren im Zuge des Streits zwischen BZÖ und FPÖ in die politische Schusslinie: FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky bezeichnete den Leiter der Wahlabteilung sogar als „üblen Gesellen“, weil dieser darüber nachgedacht habe, den dritten Listenplatz auf dem Wahlzettel den Orangen zuzuteilen.
Und wie sieht Stein die Diskussion um eine Reform des Wahlrechts? Beim E-Voting – dem Wählen über Internet – sei er ein „bedingter“ Befürworter, meint Stein. Wenn man dies ausreichend vorbereite, sei es eine „gute Sache“. Skeptisch sieht Stein den Ruf nach einem Mehrheitswahlrecht: Dann würde die Pluralität verloren gehen, weil es nur mehr zwei Blöcke gäbe, glaubt Stein. Überdies würde es ihn stören, wenn eine Partei mit 40 Prozent Zustimmung die absolute Mehrheit bekommt.
Diesen Freitag ist Stichtag
Die aktuellen Punkte im Wahlrecht sind freilich andere: Bis Freitag, 17 Uhr, müssen die Parteien bei den Landeswahlbehörden ihre Landeslisten samt Unterstützungserklärungen einreichen.
ZUR PERSON
■Robert Stein (50) ist seit vier Jahren Leiter der Wahlabteilung im Innenministerium. Der Vater einer 17-jährigen Tochter studierte Jus in Wien. Auf Bezirksebene ist Stein selbst politisch aktiv: In Wien-Währing ist er SPÖ-Klubchef.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2008)