Leichtathletik: Schmaler Grat zwischen Blamage und Achtungserfolg

(c) AP (Andrew Medichini)
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Manager Harald Edletzberger glaubt an den Triumph seines Hochsprung-Schützlings Blanka Vlasic. Für die Zukunft des Traditions-Meetings auf der Linzer Gugl sieht er hingegen schwarz.

PEKING. Er sitzt still auf der Tribüne des Vogelnest-Stadions und beobachtet penibel die Leichtathletik-Bewerbe. Da ist der Österreicher Harald Edletzberger ganz in seinem Manager-Element. Wenngleich er bei den Olympischen Spielen mit der Hochspringerin Blanka Vlasic (Kroatien) nur ein, dafür aber ein sehr heißes Gold-Eisen im Feuer hat, ist er guter Dinge und zeigt sogar stolz seine Akkreditierung. Trotz bester Kontakte und der seit sieben Jahren dauernden Zusammenarbeit mit Kroatiens Leichtathletik-Superstar musste Edletzberger nämlich „tricksen“, um in Peking überhaupt dabei zu sein. Seiner Tätigkeit als „Press Attache Somalia“, wie es die Karte ausschildert, kommt er vermutlich trotzdem nach...

Dass Vlasic am Samstag Gold gewinnen wird, daran zweifelt niemand. Sie ist eine „Einserbank“, wie Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa. Immerhin ist sie seit 34 Bewerben en suite siegreich und hüpft auch nach dem Weltrekord von 2,09 Metern. Edletzberger will nichts verschreien und nimmt es locker, er sagt: „Ich bin auf das Ärgste gefasst.“ Ihr Gold würde zwar nicht mit den Summen der Sprinter mithalten können. Dennoch würde sich das „inoffizielle“ Startgeld bei kommenden Events wie Golden League oder einem Super GP ungemein erhöhen.

Österreich im Abseits

Während hinter Vlasic eine ganze Nation und der komplette Polit-Apparat Kroatiens stehen, Förderungen fließen und sogar eine eigene Trainingshalle nur für sie gebaut worden sind, blickt Harald Edletzberger betrübt auf die Situation in Österreich. Diskuswerfer Gerhard Mayer scheiterte in der Qualifikation, Eva-Maria Gradwohl wurde im Marathon 57. von 69 Läufern. Günther Weidlinger wurde im 10.000-m-Rennen sogar überrundet. Was gemeinhin als „Blamage“ gilt wurde vom ÖLV-Verband glatt als „Achtungserfolg“ auf der Homepage (www.oelv.at) verkauft. Drei Österreicher waren bei Olympia, das sei eigentlich nichts, so Edletzberger, vor allem dahinter drohe die Kluft noch größer zu werden.

Edletzberger lehnte es aber als „Patriot“ ab, noch weiter Öl ins Feuer zu gießen, an dieser Misere solle tunlichst der Verband arbeiten und seine Ideen aufzeigen. In einem Punkt aber ist Edletzberger nicht zu bremsen: Das Sterben des Gugl-Meetings.

Gerichtliches Nachspiel

Nach der Fußball-EM sei es kaum aufgefallen, dass Österreichs wichtigster Leichtathletik-Tag neben dem Zehnkampf-Klassiker in Götzis nicht stattgefunden hat. Natürlich wurde die Gugl umgebaut und war im Juli von der Baupolizei gesperrt worden, nur hätte das Meeting wahrscheinlich auch ohne diese Bauarbeiten nicht stattgefunden. Edletzberger, jahrelang Athleten-Einkäufer des Events, erklärt, dass eine Klage gegen das Meeting und Direktor Percy Hirsch in Vorbereitung sei. Die Managervereinigung AAM warte vergebens auf Zahlungen aus dem Jahr 2007, sagt Edletzberger. Nun müsse man sich eben vor Gericht Recht verschaffen. „Es ist schade, denn ich befürchte, dass es keine Chance mehr gibt, jemals wieder so ein Meeting in Linz auf die Beine zu stellen!“ Österreich wäre damit um einen Klassiker ärmer...

AUF EINEN BLICK

Blanka Vlasic(*8. November 1983 in Split) ist eine kroatische Leichtathletin und amtierende Weltmeisterin im Hochsprung und Top-Favoritin in Peking.

Ihr Vorname leitet sich von der der marokkanischen Stadt Casablanca ab, in der ihr Vater Josko, gleichzeitig ihr Trainer, 1983 rund um ihren Geburtstermin an den Mittelmeerspielen teilnahm.

Ihre persönliche Bestleistung liegt bei 2,07 m, die sie am 7. August 2007 aufstellte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2008)

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