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Klimawandel: Inselstaaten fürchten "Land unter"

Kleine Inselstaaten fürchten sich vor dem Klimawandel
AP (Richard Vogel)
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Steigt der Meeresspiegel, bleibt von den 16 Pazifik-Staaten nicht mehr viel über Wasser. Sie bitten um mehr Einsatz im Kampf gegen den Klimawandel. Bereits jetzt richtet er Verwüstungen an.

Die Inselstaaten im Südpazifik befürchten verheerende Auswirkungen des globalen Klimawandels. Die internationale Gemeinschaft müsse den 16 Pazifikstaaten helfen, die schlimmsten Auswirkungen - heftige Wirbelstürme, ein Ansteigen des Meeresspiegels - abzuwenden, forderte der Vorsitzende des Pazifikforums, der Ministerpräsident von Niue, Toke Talagi. "Wir sollten mit dem Handeln nicht warten, bevor sich eine schlimmere Katastrophe ereignet", sagte Talagi am Mittwoch zur Eröffnung der Tagung.

Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur wissenschaftliche Theorie, sondern tägliche Realität in den Pazifikstaaten, wie Talagi erklärte. "Die Beweise sind ziemlich eindeutig. Der Klimawandel sorgt hier bereits für Verwüstung." Der Anstieg des Meeresspiegels hat bereits Einwohner von vier Inseln gezwungen, weiter landeinwärts zu ziehen, so geschehen auf Vanuatu, Tuvalu, den Kantaret-Inseln und auf Kiribati. Dort verschluckte das Meer 1999 sogar zwei unbewohnte Inseln völlig.

Beim Durchzug des Wirbelsturms "Heta" wurde Niue von mächtigen Wellen unter Wasser gesetzt, zwei Menschen kamen ums Leben, zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Die tiefliegenden Inselstaaten sind Stürmen oder einem Ansteigen des Meeresspiegels ausgeliefert. Die Aufmerksamkeit für das Thema Klimawandel müsse daher genutzt werden, um mehr internationale Hilfe einzufordern, sagte Talagi. Seine isolierte Insel Niue liegt in der Nähe des Königreichs Tonga, mehr als 2.000 Kilometer nordöstlich von Neuseeland.

Klima-Verhandlungen in Ghana

Rund 1.000 Vertreter der internationalen Gemeinschaft sollten am Donnerstag in der ghanaischen Hauptstadt Accra zu einwöchigen Beratungen über den Folgevertrag für das Kyoto-Protokoll zusammenkommen. Bei der Konferenz in dem westafrikanischen Staat soll es vor allem um die Einbindung der Entwicklungs- und Schwellenländer in die Verpflichtungen zur Reduzierung von Treibhausgasen gehen. "Wir können nicht immer weiter sagen, dass das ein Problem der industrialisierten Länder ist und sonst niemand etwas tun sollte", sagte der norwegische Vorsitzende eines Schlüsselkomitees bei den Verhandlungen, Harald Dovland.

Die Beratungen in Accra folgen auf die internationale Konferenz zum Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll auf der indonesischen Insel Bali im vergangenen Jahr. Die Tagung in Ghana ist seither das dritte internationale Treffen. Vor dem Abschluss des Prozesses im kommenden Jahr in Kopenhagen sind noch fünf Verhandlungsrunden geplant. In Accra wird nicht mit Entscheidungen gerechnet, vielmehr hoffen die Delegierten, sich auf die grundsätzlichen Sprachregelungen eines Vertrags zu einigen. Im Dezember 2009 soll das Nachfolgeabkommen für Kyoto ausgehandelt sein, das 2012 auslaufen wird. Zwei Jahre sind voraussichtlich für die weltweite Ratifizierung des neuen Vertrags nötig.

Das Pazifikforum umfasst 16 Staaten der Region: Neuseeland, Australien, Fidschi, die Cook-Inseln, Mikronesien, Kiribati, Nauru, Niue, Palau, Papua-Neuguinea, die Marschall- und Salomon-Inseln, sowie Samoa, Tonga, Tuvalu und Vanuatu.