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Donau-Festwochen: Olympia-Betrug und Familienpolitik

Bei Sportlern kommt immer noch die Liebe an erster Stelle – zumindest in der Oper.

Ohne Kontrabass, dafür auf der Suche nach der Stadt Olympia und dem dringend benötigten Feuer für Beijing sind jene drei Chinesen unterwegs, die buchstäblich als „running gag“ durch Wolfgang Atzenhofers Inszenierung von Vivaldis „Olimpiade“ irren. Dabei haben die Protagonisten der knallbunten Pop-Art-Antike, die der Grazer Regisseur und Ausstatter mit viel Liebe zu Details und aktuellen Anspielungen auf die Bühne im Schloss Greinburg wuchtet, genug eigene Probleme: Bei den olympischen Spielen ist die schöne Aristea als Preis ausgesetzt – natürlich gegen ihren Willen, liebt sie doch den von ihrem Vater Clistene als nicht standesgemäß abgelehnten Megacle. Der hat sich inzwischen nicht nur reichlich Muckis antrainiert, sondern wurde, wie das Leben so spielt, vom pummeligen, aber durchsetzungsfreudigen Licida vor den Räubern gerettet – und schuldet dem nun was. Licida wünscht sich ausgerechnet, Megacle solle unter seinem Namen Licida gewinnen und Aristea für ihn erringen...

Doch auch Licidas Ex, Argene, der Kreter Aminta und der Höfling Alcandro mischen mit in Metastasios reichlich verwickeltem Libretto. Bevor sich herausstellen kann, dass Licida eigentlich Filinto und somit Aristeas tot geglaubter Zwillingsbruder ist, nach Sonnenuntergang (also dem Ende der Spiele) für seinen betrügerischen Frevel nicht unbedingt mehr hingerichtet werden muss und überhaupt ein Happy Ending für alle recht nett wäre (auch für die Chinesen!), vergehen 15 Arien, einige als Ensemble gelöste Chöre und ein Duett nebst Rezitativen. Unterhaltsame, schöne und auch originelle Klänge aus der Feder des fleißigen Antonio Vivaldi, diesmal wieder von „Il concerto Tivoli“ unter Thomas Platzgummer mit Elan realisiert.

Donaufestwochen-Intendantin Michi Gaigg kann in Grein heuer mit einer besonders geglückten, da durchwegs fähigen und ausgeglichenen jungen Sängerbesetzung punkten, bei der sich der feinsinnige Countertenor Jakob Huppmann (Licida), der noble Mezzosopran Maria Weiss (Megacle) und die pfiffige Sopranistin Barbara Pöltl (Aminta) medaillenwürdig hervortun. Viel Jubel. wawe

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2008)