Österreich - Italien 2:2: Wundersame und skurrile Tore

Die Österreicher holten gegen Italien ein Remis.
(c) EPA (Herbert Pfarrhofer)

Das Debüt von Teamchef Brückner endete in Nizza gegen Weltmeister Italien 2:2. Immerhin stimmt das Ergebnis für die WM-Qualifikation positiv.

NIZZA. An den neuen Fußball-Feldherren werden sich die Österreicher erst langsam gewöhnen müssen. An seine Trainingsmethoden und an die Teamchef-Praktiken. Aus Karel Brückner wird man nicht so schnell schlau, der „weiße Mann“ steckt voller Überraschungen. Vielleicht haben sie ihn in seiner tschechischen Heimat auch deshalb gerne „Kleki-petra“ genannt. Die Elf, die der 68-Jährige in Nizza auf den Rasen schickte, verblüffte jedenfalls. Denn zwei Mann waren erste Wahl, die dem ursprünglichen Kader gar nicht angehörten, erst am Sonntag nachnominiert wurden. Drei Trainingseinheiten haben aber offenbar genügt, um bei Brückner für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Wie aus heiterem Himmel


Die defensive Rolle im zentralen Mittelfeld füllte Paul Scharner, der pardonierte „Team-Rebell“ aus, er gab nach fast exakt zwei Jahren ein Comeback in Rotweißrot. Der Wigan-Legionär durfte für Salzburgs verletzten Aufhauser einspringen. Noch erstaunlicher aber die Tatsache, dass der Ein-Mann-Sturm aus Marc Janko, dem Führenden in der heimischen Schützenliste, bei der Euro nicht dabei, bestand.
Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig, Janko bedankte sich für das Vertrauen auf seine Art und Weise. Der Torjäger war in der 40. Minute nach einem Einwurf und Scharner-Verlängerung zur Stelle, er donnerte den Ball unhaltbar ins kurze Kreuzeck zur 2:0-Führung.

Gerätselt wurde vor Brückners Österreich-Debüt auch über das Spielsystem, das er den sieglosen Euro-Gastgebern verpassen würde. „Die Spieler machen das System“, hat Tschechiens ehemaliger Cheftrainer öfters betont. In Nizza ließ er ein 4-1-4-1 ausprobieren, eine der Lieblingsvarianten des 68-Jährigen. Ganz vertraut erschien es seinen neuen Schützlingen aber noch nicht.

Die Österreicher haben einiges vom Euro-Schwung eingebüßt, sie wirkten auch nicht so aggressiv und konsequent, dafür schraubten sie die Effizienz gewaltig in die Höhe. Hätte sich Rotweißrot bei der Europameisterschaft so treffsicher präsentiert, der Aufstieg wäre nicht Utopie geblieben.

Die Italiener hätten in Nizza 2:0 in Führung gehen können, aber Gilardino und Zambrotta waren nicht energisch genug, stattdessen stand es wie aus heiterem Himmel 1:0 für Österreich. Nach einem Corner brachte Säumel den Ball zum aufgerückten Pogatetz und der Middlesborough-Legionär donnerte das Leder unter die Latte (15.), Welttorhüter Buffon war geschlagen. Sicherheit brachte die Führung keine, die Brückner-Elf agierte zu wenig aggressiv, ließ dem Gegner zu viel Raum, der Weltmeister, der im Schongang operierte, hatte an sich das Geschehen im Griff, das Spiel völlig unter Kontrolle.
Den 0:2-Rückstand durch Janko müssen die Italiener wie eine Verhöhnung empfunden haben, aber noch vor dem Seitenwechsel schlugen sie zurück. Gilardino jubelte zwar, der Anschluss-Treffer aber ging auf die Kappe von Martin Stranzl, der ein Eigentor produzierte.

Özcans unglückliche Faust


Torhüter Manninger musste mit Rückenproblemen (Wirbel verschoben) verletzt ausscheiden, Hoffenheim-Legionär Ramazan Özcan sollte (wie Rapids Maierhofer) zu seinem ersten Länderspiel-Einsatz kommen. Der Mann aus Hohenems aber wurde alsbald zum Sargnagel, in der 67. Minute faustete er sich nämlich nach einer unglaublich patscherten Aktion den Ball ins eigene Tor (2:2).

Das Debüt von Karel Brückner endete somit mit einem skurrilen Spielverlauf, aber immerhin stimmt das Ergebnis für die WM-Qualifikation positiv.