Die besten Tipps gegen hohe Kreditkosten

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Kredite werden immer teurer. Ein Spesenvergleich lohnt sich. Das niedrige Zinsniveau der vergangenen Jahre werde man auf absehbare Zeit nicht erreichen.

Wien. Wer einen Kredit laufen hat, stöhnt unter den hohen Kosten. Eine Trendwende ist vorerst nicht in Sicht. Die Nationalbank (OeNB) veröffentlichte dazu gestern eine brisante Untersuchung. Demnach schossen die Kunden-Zinssätze der Banken schon im Vorfeld der im Juli 2008 erfolgten EZB-Leitzinserhöhung in die Höhe. Vor allem Firmen mussten bei neuen Verträgen im zweiten Quartal 2008 „deutlich höhere Zinssätze“ in Kauf nehmen, schreibt die OeNB. Bei Volumina von bis zu einer Mio. Euro stieg der durchschnittliche Zinssatz um 0,19 Prozentpunkte. Das eigentliche Ausmaß der Kostensteigerung wird erst bei einem Langfrist-Vergleich deutlich. Laut OeNB-Statistik haben sich Konsumkredite in den vergangenen zwölf Monaten um 0,65 Prozentpunkte auf 6,83 Prozent verteuert.

Die Banken rechtfertigen sich damit, dass es neben der EZB noch andere Kriterien gibt. Wichtig ist unter anderem der Euribor – ein Zinssatz, zu dem Banken untereinander Geld ausleihen. Und der Euribor ist schon im Vorfeld der EZB-Sitzung im Juli stark angestiegen, was mit der aktuellen Finanzkrise zu tun hat. Derzeit liegt der 12-Monats-Euribor bei 5,31 Prozent.

Auf den Euribor verrechnen die Banken für Durchschnittskunden einen Aufschlag von 1,5 Prozent bis 2,0 Prozent. Bei Kunden mit einer sehr guten Bonität liegen die Spesen bei 1,25 Prozent.

Seitwärtsbewegung bei Zinsen

Wie werden sich die Zinsen weiter entwickeln? „Wir gehen davon aus, dass es heuer eine Seitwärtsbewegung gibt. Im nächsten Jahr könnte es unter Umständen eine geringfügige Senkung geben“, sagt Katja Fries, Finanzierungsexpertin der Erste Bank. Das niedrige Zinsniveau der vergangenen Jahre werde man auf absehbare Zeit nicht erreichen. Ähnlich äußert sich Christof Sperk, Kreditspezialist der Bank Austria. Kunden, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten laut Sperk derzeit einen Fixzinssatz für drei bis fünf Jahre eingehen. „Die Unterschiede zwischen variablen und fixen Zinssätzen sind derzeit sehr gering, was die Unsicherheit an den Märkten widerspiegelt. Niemand kann vorhersagen, wie die Situation in zwei oder drei Jahren aussehen wird. Mit einem Fixzinssatz kann man ruhig schlafen.“

Sperk erinnert daran, dass in den Siebzigerjahren die Zinsen bei zehn bis zwölf Prozent gelegen sind. „Niemand weiß, ob wir wieder eine Hochzinsphase erleben werden.“ Allzu lange sollte man sich aber nicht binden. Manfred Aschauer, Vertriebschef der RLB Wien-NÖ, hält einen dreijährigen Fixzinssatz für angemessen.

Die Arbeiterkammer rät, die Konditionen bei den Banken zu vergleichen. Denn damit kann man selbst bei einer kleinen Kreditsumme viel Geld sparen. Die günstigste Bank verrechnet für einen Konsumkredit einen effektiven Zinssatz von 6,7 Prozent. Der teuerste Anbieter kommt auf 9,06 Prozent. Die Arbeiterkammer veröffentlicht auf der Homepage www.bankenrechner.at einen genauen Spesenvergleich.

Weitere Ratschläge:
• Achtung bei der „Fixzinsfalle“: Es gibt Banken, die in der Anfangsphase einen günstigen Fixzinssatz als Lockangebot bewerben. Läuft die Fixzinsperiode aus, kann der variable Zinssatz plötzlich in die Höhe springen.

Daher ist es wichtig, schon vor Vertragsabschluss einen niedrigen Aufschlag auf den variablen Zinssatz zu vereinbaren.
• Die Bank muss Kunden über jede Zinsanpassung informieren. Eine Überprüfung ist ratsam. Denn es kommt immer wieder vor, dass Zinssenkungen unzureichend weitergegeben werden.
• Eine Pönale bei vorzeitiger Tilgung darf nur bei hypothekarisch besicherten Krediten oder bei Darlehen, die zur Schaffung oder Sanierung von Gebäuden mit einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren, verrechnet werden.

Auf einen Blick

Die Finanzexperten gehen davon aus, dass Kredite weiter teuer bleiben. Erst im nächsten Jahr kann es unter Umständen zu einer geringfügigen Senkung der Kreditzinsen kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2008)

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