Energiekosten: Futter für das Sparschwein

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Dicker Pullover statt einheizen? Das muss nicht sein. Strom-, Gas- und Heizölpreisen kann man auch anders ein Schnippchen schlagen.

Österreichs Haushalte geben immer mehr Geld für Energie aus. Laut dem aktuellen Energiepreisindex der Österreichischen Energieagentur stieg das Preisniveau innerhalb eines Jahres um 16,2 Prozent. Hauptverantwortlich dafür ist die Preisexplosion bei Treibstoff und Heizöl. Aber auch Strom und Gas wurden teurer, und ab Herbst stehen weitere Teuerungen bevor.

Was lässt sich dagegen tun? Im Winter die Heizung drosseln und dicke Pullover anziehen, schlug Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin vor. Es geht aber auch weniger drastisch: „Schon mit wenigen Energieeffizienz-Maßnahmen kann man aus der Preis-Spirale aussteigen“, sagt Fritz Unterpertinger, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. „Je besser die Dämmung des Hauses, desto geringer ist der Heizwärmebedarf. Je besser die Heizung geplant und optimiert ist, desto geringer ist der Energieverbrauch.“ Und selbst ohne Umbau – nur durch das Aufspüren und Ausschalten versteckter Energiefresser – sind Einsparungen möglich, die sich auf weit über 100 Euro jährlich summieren können.

Bis etwa 30 Euro pro Jahr erspart man sich etwa, wenn man Verkleidungen, Möbel oder schwere Vorhänge vor den Heizkörpern entfernt; ebenso viel kann regelmäßiges Entlüften der Heizung bringen. Beim Kochen lässt sich jeweils in der gleichen Größenordnung sparen, wenn man gut schließende Deckel verwendet und wenn das Kochgeschirr genau auf die Herdplatte passt. Etwa zehn Euro pro Jahr bringt es, beim Kochen und Backen die Nachwärme zu nützen, und wenn man dem Kühlschrank, der bisher neben dem Herd gestanden ist, ein kühleres Plätzchen zuweist, sollte das die Stromrechnung um etwa 15 Euro reduzieren.

Ersetzt man ein 15 Jahre altes Gefriergerät durch ein neues, energieeffizientes Gerät, stehen den Anschaffungskosten Einsparungen von etwa 30 Euro im Jahr gegenüber. Bis sich eine solche Anschaffung amortisiert, dauert es also zehn Jahre oder mehr – sinnvoll ist sie trotzdem, schon aus Umweltschutzgründen. „Eine Energiesparlampe rechnet sich dagegen schon in einem Jahr“, so Peter Haftner, Energieberater bei der Umweltberatung Niederösterreich. Wer gern darauf vergisst, in Nebenräumen das Licht abzudrehen, sollte sich außerdem den Ersatz des Schalters durch einen Bewegungsmelder überlegen. Auf den Geschirrspüler zu verzichten, bringt dagegen nichts – er ist sparsamer als händisches Abwaschen. Geschirrspüler sollten allerdings nur voll beladen laufen, Waschmaschinen ebenso. Sparen kann man auch durch die Reduktion der Waschtemperatur und den Verzicht auf die Vorwäsche.

Warmwasserleitungen sollten gedämmt und kleine Elektrospeicher, die sich permanent aufheizen, eventuell durch Durchlauferhitzer ersetzt werden. Und, um auf Sarrazins Idee zurückzukommen: Es gibt Räume im Haus, in denen man auch ohne dicken Pullover mit weniger Wärme auskommt – den Eingangsbereich, das Vorzimmer, den Gang, Abstellräume und Schlafzimmer. Haftner: „Wer nur in diesen Räumen die Heizkörper zurückdreht, spart im Schnitt jährlich rund 30 Euro.“ Weit höher würde die Einsparung ausfallen, könnte man sich dazu durchringen, die Raumtemperatur generell um durchschnittlich ein Grad zu senken. „Damit spart man rund sechs Prozent Heizenergie“, so Unterpertinger. Ebenfalls sinnvoll: Temperaturabsenkungen nachts, aber auch tagsüber, wenn niemand daheim ist.

Bis zu 100 Euro im Jahr bringt es, auf den Wäschetrockner zu verzichten – allerdings nicht, wenn die Wäsche stattdessen in einem eigens dafür aufgeheizten Trockenraum landet. Hat man eine ungeregelte alte Heizungspumpe, die immer mit voller Kraft läuft, kann ihr Ersatz durch eine neue mit Stufenregelung (Kosten: rund 400 Euro) ebenfalls die Stromkosten um bis zu 100 Euro senken. Diverse Geräte in Standby-Funktion – Fernseher, Sat-Receiver, DVD-Player, Stereoanlage, PC, Drucker, Scanner und Handy- oder Schnurlostelefon-Ladegeräte, die dauernd angesteckt bleiben, verschlingen in vielen Haushalten insgesamt bis zu 60 Euro im Jahr, mitunter sogar noch mehr. Haftner empfiehlt für das Home-Office sogenannte Master-Slave-Steckdosenleisten. Sie sind um etwa zehn bis 15 Euro zu haben und stellen sicher, dass mit dem PC auch die daran angeschlossenen Geräte ausgeschaltet werden.

Deutliche Einsparungen bringt es auch, wenn im Sommer das Klimagerät so oft wie möglich ausgeschaltet bleibt.

Stattdessen sollten etwa Außenmarkisen oder außen angebrachte Rolläden tagsüber für Beschattung sorgen.

Noch viel mehr kann man mit größeren Investitionen einsparen, etwa der thermischen Sanierung eines herkömmlich gebauten Hauses. „Rund 30 bis 35 Prozent der Wärme gehen über die Fassade verloren, 15 bis 20 Prozent über die Fenster und 25 bis 30 Prozent über die oberste Geschoßdecke“, so Unterpertinger. „Eine thermische Sanierung hilft, den Energieverbrauch des Hauses zu senken, steigert den Gebäudewert und schafft ein angenehmeres Raumklima ohne Zugluft.“ Haftner rechnet für ein vor 1980 gebautes Haus mit 100 bis 150 Quadratmetern Wohnfläche vor, dass die Dämmung der obersten Geschoßdecke (Kosten: rund 2000 Euro) eine Heizkostenersparnis von etwa 325 Euro pro Jahr bringt.

Auch eine Solaranlage für die Warmwasserbereitung ist eine Überlegung wert. Sie reduziert die Energiekosten in diesem Bereich um 70 Prozent. Für einen Vierpersonenhaushalt, der dafür bisher Strom verwendet hat, amortisiert sich eine solche Anschaffung – für die es auch Förderungen gibt – in weniger als zehn Jahren. Solaranlagen für die Raumheizung sind weniger effizient: Sie sind weit teurer und senken laut Haftner die Heizkosten allerhöchstens um ein Viertel.

www.eigenheim-modern.klimaaktiv.at

www.energieberatung-noe.at www.umweltberatung.at

www.topprodukte.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2008)

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