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Lasst sie doch kopieren!

Der Kampf des seligen Herrn Quixote gegen die Windmühlen ist eine Kleinigkeit gegen den heldenhaften Einsatz unermüdlicher Streiter...

...für das Urheberrecht gegen den Missbrauch der Möglichkeiten, die das Internet heutzutage bietet. Eben haben die deutschen Rechtshüter signalisiert, mit den tausenden und abertausenden Bagatellfällen, die auf diese Weise anfallen, nichts mehr zu tun haben zu wollen. Generalstaatsanwaltschaften mehrerer deutscher Bundesländer sehen die „Verhältnismäßigkeit“ nur noch gefährdet, wenn Täter exorbitante Mengen von Daten via Raubkopie auf ihre Festplatten speichern.

Erinnern wir uns an den Sisyphos-Auftritt, den sich etwa die Wiener Philharmoniker vor Jahren schon leisteten, indem sie eine Firma für teures Geld Exemplare von illegalen LP- und später CD-Produktionen ausforschen ließen? Die plünderte dann in unregelmäßigen Abständen die Lager von Schallplatten-Händlern.

Verlorene Liebesmüh hier wie dort. Die Raubmitschnitte tauchten unter anderen Labels sogleich wieder auf. Problematisch an der Sache ist in Wahrheit lediglich der Glaube, der in den Sechziger- und Siebzigerjahren vollständig übertriebene Geldregen, den internationale Plattenkonzerne über Künstlern ausschütten konnten, ließe sich ad infinitum fortsetzen. Dass jetzt, bleiben wir beim Klassik-Bereich, mehr und mehr von jenen einst illegal kopierten Livemitschnitten als legale Produkte auf den Markt kommen, lehrt nur, wie irregeleitet das PR-Denken seinerzeit gewesen ist. Statt zu verhindern, dass gute Aufnahmen, die ja Werbeträger sind, käuflich zu erwerben sind, sollte man ihr Erscheinen fördern.

Denn selbst die höchstbezahlten Pop-Ikonen haben mittlerweile gelernt, dass das eigentliche Geschäft nicht die Tonträger sind, sondern die Live-Auftritte. Mit denen verdient man mehr Geld als je zuvor. Womit das Musikleben auf eine natürliche Basis zurückgeführt wäre. Der direkte Kontakt zwischen dem Hörer und denen, die Musik machen, ist das Maß aller Dinge. CDs sind Werbeartikel dafür. Vielleicht sogar illegale Downloads, wie man's nimmt.


wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2008)