Der Erlöser für Parsifals Tempel?

Richard Wagners Urenkelinnen erbten Uropas Theatertalent. Sie holen vielleicht Gérard Mortier nach Bayreuth. Tragisch? Komisch?

Nike Wagner denkt gar nicht daran, sich ihren Cousinen Eva und Katharina geschlagen zu geben: Sie bewirbt sich wie diese um die Leitung der Bayreuther Festspiele – und zwar im Verein mit Gérard Mortier. Eine der folgerichtigsten Entscheidungen der jüngeren Kulturgeschichte! Es waren schließlich die deutschen Feuilletonisten, die, wo immer Mortier auftauchte, dessen Wirken als segensreich für den künstlerischen Fortschrittsgedanken gepriesen haben. Jetzt endlich bewirbt sich der dieserart von Posten zu Posten gelobte Kulturmanager für den wichtigsten deutschen Festspielsitz. Da kommt hierzulande vielleicht Schadenfreude auf. Immerhin hat Mortier in Salzburg der Festspieltradition den Garaus gemacht, indem er aufs Regietheater, musikalisch aber auf den Zufallsgenerator setzte und nebenbei die Philharmoniker als Festspielorchester demontierte. Die Folgen müssen die Festspiele – der Sommer 2008 ist der beste Beweis – bis heute verdauen. Übertüncht wurde dies in Salzburg durch das feuilletontaugliche Engagement für die Moderne. Nike Wagner hat längst verlangt, die Wagner-Festspiele mit Uraufführungen zu beleben. So passt alles zusammen: Die hymnischen Schlagzeilen über das innovative Neubayreuth sind schon vorauszuahnen. Ebenso die Möglichkeit, für das derzeit zehnfach überbuchte, weil inhaltlich konsistente Festival endlich wieder Karten zu bekommen. Das zuständige Kuratorium tagt am 1.September. Ob Wotan mit ihm sein wird? (Bericht: S. 24)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2008)

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