"Gustav": Heimkehr nach New Orleans mit Hindernissen

Hab und Gut der Bewohner von New Orleans wurden stark beschädigt.
Hab und Gut der Bewohner von New Orleans wurden stark beschädigt.(c) EPA (Skip Bolen)
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Die Reparaturen an Häusern, Dämmen und Stromnetz werden noch Wochen dauern. Bürgermeister Ray Nagin rät zu Geduld bei der Heimkehr. Sieben Menschen starben bei Unfällen in Folge des Hurrikans.

Drei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" mit 1800 Toten hat der Wirbelsturm "Gustav" die Menschen in New Orleans und an der US-Golfküste weitgehend verschont. Mit Windgeschwindigkeiten von rund 175 Kilometern pro Stunde und sintflutartigen Regenfällen zog der tropische Wirbelsturm am Montagnachmittag westlich an New Orleans vorbei. Die Schäden dürften damit weit unter den befürchteten 33 Milliarsen Dollar liegen: Versicherungen sprach von Schadenssummen von bis zu zehn Milliarden Dollar (6,89 Mrd. Euro).

"Ich gehe davon aus, dass ab Mittwoch die wichtigsten Unternehmen wieder öffnen und hoffentlich am Donnerstag oder Freitag unsere Bewohner wieder zurückkommen können", sagte New Orleans' Bürgermeister Ray Nagin dem Fernsehsender CNN. Sieben Menschen kamen im Zusammenhang mit dem Wirbelsturm ums Leben. Alle 30 Österreicher, die in New Orleans registriert sind, haben sich gemeldet. Sie sind wohlauf und in Sicherheit, berichtete Peter Launsky-Tieffenthal, Sprecher des österreichischen Außenministeriums, am Dienstag.

"Gustav" schwächte sich auf seinem Weg durch den Süden der USA weiter ab und wurde am Dienstag zum Tropen-Tiefdruckgebiet herabgestuft. Derweil näherte sich der nächste Tropensturm der US-Küste. "Gustav" riss bei seinem Zug über New Orleans Bäume und Strommasten um und fegte Dachziegel und Regenrinnen von den Häusern. Nach Angaben des Versorgers Entergy war die Hälfte der Stadt - 100.000 Haushalte - ohne Strom. Die Reparaturen werden noch Wochen dauern.

Sieben Tote in den USA

In dem 2005 von "Katrina" besonders betroffenen Armenviertel Upper Ninth Ward lagen umgestürzte Bäume. Soldaten der Nationalgarde fuhren durch die teilweise unter Wasser stehenden Straßen und suchten nach Menschen, die sich möglicherweise in ihren Häusern verschanzten. Laut Stadtverwaltung war das Viertel auch diesmal am stärksten betroffen, das Wasser stand jedoch lediglich 15 Zentimeter höher als normal. In New Orleans harrten trotz einer Anordnung zur Evakuierung weiter 10.000 Bewohner aus.

Vier Menschen starben im US-Staat Louisiana bei Unfällen während der Evakuierung, wie US-Medien am Dienstag unter Berufung auf die Behörden berichteten. Drei schwer kranke Krankenhauspatienten kamen bei der Räumung von Kliniken im Sturmgebiet ums Leben. Laut dem US-Nachrichtensender CNN starben sie, während sie darauf warteten, per Lufttransport in Sicherheit gebracht zu werden. Mit den Todesfällen in den USA stieg die Zahl der Opfer von "Gustav" auf über 100. Mindestens 77 Menschen riss der Sturm in Haiti in den Tod, weitere 19 Menschen kamen in anderen Teilen der Karibik ums Leben. Fast zwei Millionen Menschen an der US-Golfküste hatten sich vor dem Hurrikan in Sicherheit gebracht.

Besseres Management als bei "Katrina"

Vor drei Jahren waren in New Orleans 1500 Menschen durch den Hurrikan "Katrina" ums Leben gekommen, 300 weitere starben im übrigen Gebiet von Louisiana und in den benachbarten Bundesstaaten. Das Katastrophenmanagement der US-Regierung wurde damals scharf kritisiert.

Diesmal habe die Koordination zwischen Regierung, Behörden und Hilfsorganisationen beim Hurrikan "Gustav" "sehr viel besser" funktioniert, sagte US-Präsident George W. Bush in Houston (Texas). "Wir haben eine der erfolgreichsten und am besten koordinierten Evakuierungen erlebt, die ich je gesehen habe", sagte der Direktor des US-Katastrophenschutzes FEMA, Dave Paulison. Diesmal habe es für die Menschen der Küstenregion rechtzeitig ausreichend Busse und Züge gegeben.

Nächster Sturm im Anmarsch

Auf seinem Weg durch den Süden der USA wurde "Gustav" am Dienstag zu einem Tropen-Tiefdruckgebiet herabgestuft. Der Sturm zog mit heftigem Regen in östlicher Richtung weiter und wurde im Tagesverlauf in Texas, am Mittwochabend in Oklahoma erwartet, wie das Nationale Hurrikan-Zentrum NHC in Miami mitteilte.

Unterdessen steuerte der Tropensturm "Hanna" auf die USA zu. Er könnte laut NHC am Freitag Florida erreichen. Ein weiterer Tropensturm über dem Atlantik, "Ike", zog über die Karibik auf die USA zu. Er könnte nach Angaben des NHC ebenfalls Hurrikan-Stärke erreichen.

(Ag./Red.)

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