In Wiens Bädern arbeiten 40 Studenten in den Ferien als „Bassinaufseher“. Die Verantwortung ist groß, die Bezahlung gut.
Fast schon Postkarten-idyllisch. Am Strand sitzt ein Mädchen und lässt Seifenblasen steigen, im Hintergrund zuckelt ein Elektroboot vorbei. Zwei ältere Männer in Badehosen spielen eine Partie Tischtennis. Abgesehen vom Plong Plong des Tischtennisballs ist es ruhig an diesem Augustvormittag im Angelibad an der Alten Donau. So ruhig, dass es fast schon fad ist.
„Gmiatlich“ nennt es Gabriel Macho. „Gmiatlich“ findet er auch seinen Sommerjob: Der 24-jährige Pharmazie-Student arbeitet seit Juli als das, was man landläufig einen „Bademeister“ nennt, eigentlich aber „Bassinaufseher“ heißt. Oder, hier an der Alten Donau, „Strandwart“.
Eine Handvoll Menschen sind gerade im Wasser, die Macho ständig im Auge behält. „So wie jetzt“, sagt er und lässt den Blick über das Wasser schweifen, die Hände vor dem Oberkörper verschränkt, „das ist der Normalzustand hier.“ Aber auch am Wochenende, wenn 4000 Gäste kommen, sagt er, bleibt es immer friedlich hier im Familienbad, in das vor allem Mütter mit Kindern und ältere Gäste kommen.
Schlägereien zwischen Jugendlichen, in die der Bademeister einschreiten muss; Betrunkene, die man besser nicht ins Wasser lässt: All das hat Macho im Juli etliche hundert Meter weiter im Gänsehäufel erlebt, wo er für eines der Schwimmbecken verantwortlich war. Aber hier? Ein paar Mal am Tag findet er ein verloren gegangenes Kind und lässt die Eltern ausrufen. Der tägliche Bienenstich, bei dem Macho zu Hilfe gerufen wird, ist meist das Schlimmste, das passiert. Gott sei dank, sagt Macho, und doch scheint es fast, als würde er den Wirbel aus dem Gänsehäufel vermissen.
Gott sei dank sei es auch noch nie vorgekommen, dass er Ertrinkende, wie man sich das seit den telegenen Rettungsaktionen à la Baywatch so vorstellt, aus dem Wasser ziehen musste. „Denn dann hätte ich etwas falsch gemacht.“ Seine Aufgabe sei es ja, die Gefährdung zu erkennen, bevor jemand zu ertrinken droht.
Es ist Machos vierter Sommer als Bademeister. Am Anfang, erzählt er, war er schon nervös, dass ein Badegast „an Blödsinn“ machen könnte. Das hat sich schnell gelegt. Der Job ist für ihn, der gerne unter Menschen und an der frischen Luft ist, ideal. Und ganz gut bezahlt, findet er. Die 40 Studenten, die in Wiens städtischen Bädern im Sommer jobben, verdienen pro Monat 1450€ brutto. Hinzu kommen Überstunden: Bei Schönwetter hat Macho einen 13-Stunden-Tag. Bei Regen ist um 15 Uhr Dienstschluss.
Dienstbeginn ist oft schon um sieben Uhr. Bevor das Bad aufsperrt, muss der Steg geputzt, die Spielgeräte gewartet werden. Macho ist von seinem Rundgang in die kleine Holzhütte zurückgekehrt, die Homebase der Strandwarte sozusagen. „Halbakademiker“ nennen ihn die Kollegen scherzhaft, die anders als er als Saisonarbeiter angestellt sind. „Eigentlich“, sagt Macho, „bin ich ein Mädchen für alles. Mit Rettungsschwimmer-Schein.“
Bisher erschienen: Briefträger (14.8.), Hundesitter (19.8), Rettungstaucher (25.8.).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2008)